Mozi

Mozi, auch Mo-tsu, Mo-tse, (chinesisch 墨子, Pinyin Mòzǐ ‚Meister Mo‘) oder Mo Di, Mo Ti, Mo Te, Me-Ti (chinesisch 墨翟, Pinyin Mò Dí), latinisiert Micius genannt, lebte im späten 5. Jahrhundert v. Chr., wirkte hauptsächlich in Nordchina und war Begründer und Namensgeber des Mohismus (墨家, Mòjiā), einer Schule der chinesischen Philosophie. Der Mohismus war eine utilitaristische, am Wohlergehen des Volkes ausgerichtete Denkrichtung. Die straff organisierte mohistische Schule war bereits im 3. Jahrhundert v. Chr. in drei Gruppen gespalten und hatte ein Jahrhundert später vollends an Bedeutung verloren. Im Gegensatz zu Konfuzius soll Mozi zumindest einen Teil seiner in großem Umfang erhaltenen Schriften selbst verfasst haben.

Vom sechsten bis zum dritten vorchristlichen Jahrhundert war China Schauplatz der so genannten „Wanderphilosophen“, Männer, die mit der gesellschaftlichen Situation unzufrieden waren und durch die Lande reisten, um den Herrschern von ihren Überlegungen zu berichten und um sie in die Tat umzusetzen. Der wohl bekannteste dieser Philosophen ist Konfuzius, dessen System China bis in die heutige Zeit stark geprägt hat.

Alle beschäftigten sie sich mit grundlegenden Fragen, zum Beispiel, wie eine perfekte Gesellschaftsordnung auszusehen habe und was diese zusammenhält. Dabei treten unweigerlich Fragen nach dem Recht auf: gibt es Gesetze, wenn ja, wer erlässt diese, wie sehen die Gesetze aus und wie wird für ihre Befolgung gesorgt.

Die Unterschiede zwischen Konfuzius und Mozi – und ihre Gemeinsamkeiten – werden im Folgenden herausgearbeitet. Besondere Beachtung findet das Menschenbild, welches als real angesehen wird, und das Menschenbild in der utopischen Gesellschaft.

Die Angaben über die Person Mozi sind dürftig und teilweise spekulativ. Er lebte wohl zwischen 490 und 381 v. Chr. (Die Angaben weichen ab, jedoch bewegen sie sich alle zwischen den Jahren 490 und 381), also zur Zeit des Wechsels von der Chunqiu-Zeit (722-481) zu der Zeit der Streitenden Reiche (480-222) und zwischen Konfuzius und Menzius (Es ist möglich, dass Mozi noch vor dem Tode des Konfuzius geboren wurde, das mit dem Jahre 479 v. Christus angegeben wird.).

Sein Heimatstaat war Lu oder Song, Mo war sein Familienname und sein Vorname Di. Mozi entstammte einer niederen gesellschaftlichen Schicht, die Annahmen seiner Tätigkeit reichen vom Handwerker über den Schreiber bis hin zum hohen Beamten. Seine Anstellung als Beamter ist jedoch unwahrscheinlich.

Die Zeit

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, in der Mozi lebte, war geprägt durch den Zerfall des alten Patriarchats und die Auflösung der feudalen Strukturen. Die Gesellschaft machte eine Entwicklung durch, in der die unteren Schichten ihre passive Rolle verließen und die oberen Schichten sich der willkürlichen Ausbeutung der unteren Schichten zunehmend widmeten. Das Land war gebeutelt von Kriegen und die gemeine Bevölkerung versank in Chaos und Armut.

Mozi verleiht diesem Umstand durch Nennung von sieben Missständen Ausdruck:

Basiert die vollendete Gesellschaft nach Konfuzius auf der Mit-Menschlichkeit (rén 仁), so nimmt diesen Platz in Mozis Theorie die Rechtschaffenheit (yí 義) ein. Wie bereits in den Begriffen anklingt, entsteht die Menschlichkeit nach Konfuzius im Menschen selbst und wirkt aus ihm heraus. Die Rechtschaffenheit jedoch ist nach Mozi eine dem Menschen von außen durch Zwang auferlegte Tugend.

Dieser grundlegende Unterschied lässt sich auch anhand des Bildes des Himmels nachvollziehen. Während der Himmel bei Konfuzius eine abgerückte, ungreifbare und unpersönliche Wesenheit darstellt, deren Wille im Menschen selbst verankert ist und in ihm wirkt, so sieht Mozi ihn als eigenständige Persönlichkeit an, die der Erde sehr nahesteht. Ebenso wie die Tugend bei Konfuzius aus sich heraus entspringt, hat sie sich selbst zum Zweck. Mozi jedoch betrachtet selbst die Tugend und somit den Willen des Himmels aus utilitaristischer Perspektive. Die Rechtschaffenheit dient der Stabilität des politischen Systems.

Der Gedanke der Mitmenschlichkeit (ren 仁) ist zwar auch im Gedankengut Mozis fest verankert, rückt jedoch in der Hierarchie unter die Rechtschaffenheit (yi 義), zu deren Erhalt sie dient. Sie erfährt eine Veränderung dadurch, dass Mozi sie von den Beschränkungen durch die Teilung der Gesellschaft, wie sie Konfuzius vorsah, freimacht. Er fordert eine Mitmenschlichkeit, die nicht der festen Einordnung des Individuums in die Gesellschaft (li 禮) unterliegt, die sich besonders in der pietätvollen Fügsamkeit (xiào 孝) äußerte. Somit geht Mozi noch einen Schritt weiter als Konfuzius und weitet den Fokus von der herrschenden Klasse auf die gesamte Gesellschaft aus. Während sich bei Konfuzius Volk und Herrscher nicht vermischen, so ist die Trennlinie bei Mozi in beide Richtungen durchlässig.

「故 當 是 時, 以 德 就 列 , 以 官 服 事 , 以 勞 殿 賞 , 量 功 而 分 祿 .故 官無 常 貴 , 而 民 無 終 賤 , 有 能 則 舉 之 , 無 能 則 下 之」

„Daher wurde zu jener Zeit nach Tugendhaftigkeit eingestuft, wurden je nach Amt die Aufgaben übertragen, je nach persönlichem Einsatz die Belohnungen festgesetzt und entsprechend den Leistungen wurde das Gehalt aufgeteilt. So war ein Beamter nicht unbedingt auf Dauer in seiner gehobenen Position und die Leute waren nicht auf immer dazu verdammt, als Gemeine zu leben. Hatte einer Fähigkeiten, wurde er ausgewählt, war er aber unfähig, wurde er seines Amtes enthoben.“

Die Gleichheit der Menschen drückt sich also nicht in tatsächlicher materieller Hinsicht aus, sondern vielmehr in Chancengleichheit und Gleichheit der Bewertungsmaßstäbe. Mozi sieht in der differenzierten Mitmenschlichkeit (ren 仁) die Ursache der mangelnden Gerechtigkeit.

「分 名 乎 天 下 惡 人 而 賊 人 者 , 兼 與 ? 別 與 ? 即 必 曰 別 也 .」

„Und wenn wir diejenigen im Reich herausgreifen und benennen, die andere hassen und schädigen, werden ihre Handlungen durch Universalität [jian 兼] oder durch Parteilichkeit [bie 別] veranlaßt? Die Antwort ist gewiß: Durch Parteilichkeit.“

「兼 即 仁 矣 , 義 矣 .」

„Die Lehre von der Universalität [jian 兼] ist wohl menschlich [ren 仁] und rechtschaffen [yi 義].“

Menschlichkeit und Rechtschaffenheit sind also Kriterien für Universalität und dieser daher übergeordnet.

Die Grundlage der Überlegungen Mozis bildet eindeutig sein Menschenbild. Seiner Meinung nach handelt ein Mensch, der ohne feste gesellschaftliche Umgebung aufwächst, egoistisch und kurzsichtig.

Als es

「未 有 刑 政」

„noch keine Rechtsprechung und keine Regierung“

gab, war die

「天 下 之 亂 也 , 至 如 禽 獸 然 , 無 君 臣 上 下 長 幼 之 節 , 父 子 兄 弟之 禮 , 是 以 天 下 亂 焉 .」

„Unordnung im Reich so, als handele es sich um wilde Tiere. Es gab keine Vorschriften für die Beziehungen zwischen Fürst und Untertan, Vorgesetztem und Untergebenem, Älteren und Jüngeren, keine Verhaltensmaßregel für das Verhalten von Vater und Sohn und älterem und jüngerem Bruder; daher war das Reich in Verwirrung.“

Von sich aus sind die Menschen nicht in der Lage, eine gemeinsame Sprache zu entwickeln und ihre Ansichten abzugleichen.

Die Zeit, in der er lebte, und die Perspektive, aus der er die Gesellschaft wahrnahm, nämlich aus der des einfachen Volkes, sind maßgebend für die Ziele Mozis. Er entwickelte ein dem Konfuzianismus ähnliches System, welches auf die Bedürfnisse des einfachen Mannes zurechtgeschnitten war (Kung-chuan Hsiao nennt ihn einen „common-man Confucius“ und seine Lehren „common-man Confucianism“.). Sein Bestreben galt der Gerechtigkeit (chinesisch 天 欲 義 而 惡 不 義 .), dem Frieden und dem Wohlstand des Volkes.

Auf die Frage, wie die Misere des Landes zu beenden sei, antwortet Mozi:

「以 兼 相 愛 交 相 利 之 法 易 之.」

„Mit der allumfassenden gegenseitigen Liebe [jian xiang ai 兼 相 愛] und der gegenseitigen Unterstützung [xiang li 相 利] aller läßt es sich ändern. [„gegenseitige Unterstützung“ könnte auch mit „gegenseitiger Nutzen“ wiedergegeben werden]“

Die geforderte allgemeine Nächstenliebe ist neben dem Utilitarismus eine der großen Neuerungen Mozis. Standen sich Nutzen und Moral bei Konfuzius noch gegenüber, so gehen sie bei Mozi eine Synthese ein. Die Nächstenliebe ist nützlich.

「今 吾 本 原 兼 之 所 生 ,天 下 之 大 利 者也.」

„Jetzt habe ich gezeigt, daß die Universalität [jian 兼] den größten Nutzen [li 利] für das Reich mit sich bringt.“

Die allgemeine Nächstenliebe besteht für Mozi darin, nicht länger zwischen sich selbst und seinen Mitmenschen zu unterscheiden. Dies ist auf alle Strukturen erweiterbar, die Familie jedes anderen ist wie die eigene und auch andere Staaten sind wie der eigene.

「子 墨 子 言 : 「視 人 之 國 若 視 其 國 , 視 人 之 家 若 視 其 家 , 視 人 之 身 若 視 其 身 . 是 故 諸 侯相 愛 則 不 野 戰 , 家 主 相 愛 則 不 相 篡 , 人與 人 相 愛 則 不 相 賊.[…] 天 下 之 人 皆 相 愛 , 強 不 執 弱 ,眾 不劫 寡 , 富 不 侮 貧 , 貴 不 敖 賤 , 詐 不 欺 愚 . 凡 天 下 禍 篡 怨 恨 可 使 毋 起 者 , 以 相 愛 生 也.」」

„Meister Mo Ti sagte: ‚Wenn man andere Staaten wie den eigenen betrachtet und andere Familien wie die eigene und andere Menschen wie sich selbst, dann werden die Feudalfürsten einander lieben und keinen Krieg miteinander führen, und die Familienvorstände werden untereinander Freundschaft pflegen und nicht aufeinander übergreifen, und die Menschen werden einander lieben und nicht schädigen. […] und Elend, Übergriffe, Unzufriedenheiten und Haß werden in der ganzen Welt nicht mehr aufkommen können. Dies hat seinen Grund in der gegenseitigen Liebe [xiang ai 相 愛].’“

Die Grenze zwischen dem Ego und der restlichen Gesellschaft wird also aufgehoben. Jeder, der in seinem eigenen Sinne handelt, handelt automatisch im Sinne der Gesellschaft und umgekehrt. Dieser Gedanke der absoluten Egalität von sich und allen anderen spiegelt sich in der mohistischen Bedeutung von yi (義) wider, welches wie ein stufenloses konfuzianisches yi (義) anmutet, also von den Klassenunterschieden (li 禮) befreit. Yi (義) ist die Umsetzung von gegenseitigem Nutzen und allgemeiner Menschenliebe in die Tat, also „humanes Verhalten“.

Die hierarchische Struktur der Gedanken Mozis lässt sich nun weiter ausformulieren. Dem Begriff des yi (義) sind ren (仁) einerseits und jian ai (兼愛) und xiang li (相利) andererseits untergeordnet.

Ren (仁) beschreibt hier die vertikale Ausprägung des yi (義), also das Verhalten der Herrschenden gegenüber ihren Untertanen. Mozis Aufruf zu ren-gemäßem Handeln gilt nur den Herrschern:

「仁 之 事 者 , 必 務 求 興 天 下 之 利 , 除 天 下 之 害 , 將 以 為 法 乎 天 下 . 利 人 乎 , 即 為 ; 不利 人 乎 , 即 止 . 且夫 仁 者 之 為 天 下 度 也 , 非 為 其 目 之 所 美 , 耳 之 所 樂 , 口之 所 甘 , 身 體 之 所 安, 以 此 虧 奪 民 衣 食 之 財 , 仁 者 弗 為 也.」

„Es ist die Aufgabe eines Menschlichen [ren 仁], sich um die Mehrung des Nutzens im Reiche zu mühen, Schaden von ihm abzuwenden und ein Vorbild für die Welt zu sein. Deshalb tut er das, was den Menschen nützt und unterlässt, was ihnen nichts nützt. Darüber hinaus denkt der Menschliche, wenn er den Nutzen des Reiches plant, nicht nur an das, was das Auge erfreut, dem Ohr behagt, dem Gaumen schmeckt und dem Körper angenehm ist. Denn wenn er dazu das Volk der für Kleidung und Nahrung notwendigen Güter berauben müsste, würde er das unterlassen.“

「故 置 此 以 為 法 , 立 此 以 為 儀 , 將 以 量 度 天 下 之 王 公 大 人 卿 大 夫 之 仁 與 不 仁 , 譬 之 猶 分 黑 白 也」

„Dies [den Willen des Himmels] macht er also zum Maßstab [fa 法] und stellt es als Richtschnur auf, um damit Menschlichkeit [ren 仁] und Unmenschlichkeit [bu ren不 仁] bei den Königen, Fürsten und Großen des Reiches zu ermitteln, so als unterschiede er zwischen schwarz und weiß.“

Die allgemeine Nächstenliebe (jian ai兼愛) und der gegenseitige Nutzen (xiang li 相利) finden primär Anwendung auf horizontaler Ebene, obwohl auch vertikal angewandt, hier aber im Gegenteil zum ren (仁) in beiden Richtungen.

「臣 子 之 不 孝 君 父 , 所 謂 亂 也.[…] 雖 父 之 不 慈 子 , 兄 之 不 慈 弟 , 君 之 不 慈 臣 , 此亦 天 下 之 所 謂 亂 也 .[…] 雖 至 大 夫 之 相 亂 家 , 諸 侯 之 相 攻 國 者 亦 然 . […] 天 下 之 亂 物 具 此 而已 矣 . 察 此 何 自 起 ? 皆 起 不 相 愛 .」

„Wenn Untertanen und Söhne ihren Fürsten und Vätern keine kindliche Pietät [xiao 孝] bezeugen, dann nennt man das Verwirrung [luan 亂]. […] Wenn selbst der Vater gegenüber seinem Sohn, der ältere gegenüber seinem jüngeren Bruder oder der Fürst gegenüber seinem Untertan keine liebevolle Gesinnung [ci 慈] hegt, so ist dies auch ein Zustand, den man Unordnung im Reiche nennt. […] Und wenn die Würdenträger ihre Familien gegenseitig in Unordnung bringen und die Lehnsfürsten sich untereinander bekämpfen, dann ist es ebenso. […] Alle Fälle von Verwirrung im Reiche sind darin enthalten. Und untersucht man, worin sie ihren Grund haben, so ist es immer der Mangel an gegenseitiger Liebe [xiang ai 相 愛].“

Jedoch auch der Begriff des yi (義) ist nicht absolut. Er wird am Maßstab des Nutzens gemessen. Gemeint ist hier der größtmögliche Nutzen für den größtmöglichen Teil der Gesellschaft.

Für die Umsetzung des yi (義) ist eine Anleitung nötig.

「天 下 從 事 者 不 可 以 無 法 儀.」

„Einer, der in der Welt etwas ausführt, kann dies nicht ohne einen Maßstab [fa 法].“

「然 則 奚 以 為 治 法 而 可 ? 故 曰 莫 若 法 天.」

„Was kann aber dann als Vorbild für die Regierung [zhi fa 治 法] dienen? Die Antwort ist: Das beste Vorbild [fa 法] ist der Himmel [tian 天].“

„Nimmt man den Himmel zum Vorbild, dann muß man sich in allem seinem Tun am Himmel orientieren und das, was der Himmel wünscht, befolgen, und unterlassen, was er nicht wünscht. […] Ganz gewiß wünscht der Himmel, daß die Menschen einander lieben und sich gegenseitig unterstützen […]

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.“

Der Himmel gibt vor, welches Verhalten dem yi (義) gemäß ist und welches nicht. Er definiert das im yi (義) enthaltene ren (仁) der herrschenden Klassen und das jian ai (兼 爱) und xiang li (相 利) der Bevölkerung.

Die Maßnahmen, die Mozi für die Umsetzung seiner Ideen vorsieht, lassen sich in zwei Bereiche teilen. Auf der einen Seite der Weg zu Friede, Menschlichkeit und Gerechtigkeit und auf der anderen Seite das Erreichen des Wohlstandes. Die hauptsächliche Erfüllung dieser beiden Hauptziele obliegt verschiedenen gesellschaftlichen Schichten.

「上 強 聽 治 , 則 國 家 治 矣 , 下 強 從 事 則財 用 足 矣 .」

„Wenn sich die Oberen ganz für die Regierung einsetzen, dann ist der Staat wohlgeordnet, und wenn die Unteren mit ganzer Kraft ihren Pflichten nachkommen, dann werden Güter und Mittel ausreichen.“

Fußend auf Mozis Menschenbild fordert er ein System, welches die Menschen durch Belohnungen und Strafen zwingt, sich seiner Vorstellung gemäß zu benehmen. Die Implementierung dieses Systems läuft parallel auf zwei Ebenen ab. Auf sakraler und irdischer Ebene gleichzeitig.

Der Maßstab (fa 法) ist der Wille des Himmels. An ihm muss sich jeder Mensch ausrichten. Um dies zu gewährleisten, zieht Mozi die Geister und Götter heran, die zu seiner Zeit im Volksglauben stark verankert waren und macht sie zu Agenten des Himmels. Diese Geister und Götter kennen den Willen des Himmels und lassen sich von ihm führen. Sie sehen und hören immer alles und sind befugt, zu belohnen oder zu bestrafen.

「故 鬼 神 之 明 , 不 可 為 幽 閒 廣 澤 , 山 林 深 谷 , 鬼 神之 明 必 知 之.」

„Dem wachen Auge der Geister kann man sich auch in düsteren Tälern oder weiten Sümpfen, in Bergen, Wäldern oder tiefen Schluchten nicht entziehen, denn die Augen der Geister werden einen dennoch sehen.“

「今 若 使 天 下 之 人 , 偕 若 信 鬼 神 之 能 賞 賢 而 罰 暴 也 , 則 夫 天 下 豈 亂 哉 !」

„Wenn man heute alle Menschen im Reiche dazu veranlassen könnte, zu glauben, dass die Geister in der Lage sind, die Tüchtigen zu belohnen [shang 賞] und die Schlechten zu bestrafen [fa 罰], wie könnte es dann im Reiche Unordnung [luan 亂] geben?“

Obgleich hier der Hauptaspekt nicht die Existenz der Geister, sondern vielmehr der Glaube der Menschen an die Existenz der Geister ist, wird doch deutlich, dass dieser Glaube von elementarer Bedeutung für die Wirksamkeit dieses Zweiges der Implementierung des Wertesystems ist. Die Wertmaßstäbe wirken also nicht von außen auf den Menschen, sondern vermittels des Geisterglaubens aus ihm heraus. In dieser Instrumentalisierung der Geister findet der utilitaristische Grundgedanke mit dem Ziel, die Unordnung zu beseitigen, Ausdruck.

Auch hier fungiert der Wille des Himmels als oberste Instanz. Um das Reich aus dem Chaos zu führen, muss es von einem obersten Herrscher vereint werden.

「是 故 選 天下 之 賢 可 者 , 立 以 為 天 子 .」

„Daher wurde der fähigste Weise des Reiches ausgewählt und als Himmelssohn eingesetzt.“

Dieser kann nicht vom Volk gewählt werden, da es dazu aufgrund seiner Beschränktheit und Selbstsucht nicht in der Lage ist. Auch der Gedanke, den Herrscher von einer Gruppe Weiser ernennen zu lassen, wird gleich wieder verworfen, denn der Herrscher darf keine andere Machtinstanz über sich haben außer dem Himmel. Somit obliegt es zwangsläufig dem Himmel, den Herrscher zu bestimmen. Das geschieht durch Anlegen des Maßstabes (fa 法), also dem Willen des Himmels.

Ist der Himmelssohn einmal installiert, so besteht seine Aufgabe darin, Standards zu erlassen, die die Gesellschaft aus dem Urzustand führen sollen.

Da das Land allerdings zu umfangreich ist, um von einer Person alleine vereinheitlicht zu werden und als

「以 其 力 為 未 足 , 又 選 擇 天 下 之 賢 可 者 , 置 立 之 以 為 三 公 .」

„[…] man sah

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, daß seine Kraft nicht ausreichte, da wählte man auch andere fähige und weise Männer des Reiches aus und machte sie zu den drei Ministern.“

Dann folgt der nächste Schritt, sie

「故 畫 分 萬 國 , 立 諸 侯 國 君 […] 又 選 擇 其 國 之 賢 可 者 , 置 立 之 以 為 正 長 .」

„[…] teilten sie das Ganze in zahllose Gebiete und setzten Feudalfürsten und Landesherren ein. […] Und man wählte die weisesten und fähigsten Männer jedes Landes aus und setzte sie als Beamte ein.“

So wird das Land in immer kleinere Bereiche geteilt, bis hinab zu den Gemeinden. Jedem Teil auf jeder Ebene wird ein Mann vorgestellt. Als Kriterium gilt die Menschlichkeit (ren 仁):

「是 故 里 長 者 , 里 之 仁 人 也 .」

„Der menschlichste [仁] Mann einer jeden Gemeinde wurde der Gemeindevorsteher.“

「鄉 長 者, 鄉 之 仁 人 也 .」

„Bezirksvorsteher war der menschlichste [仁] Mann im Bezirk.“

「國 君 者 ,國 之 仁 人 也 .」

„Fürst war der menschlichste [仁] Mann seines Landes.“

Nach der Installation dieses hierarchischen Systems verkündete der Himmelssohn seine Regierungspolitik.

「聞 善 而 不 善 ,皆 以 告 其 上 . 上 之 所 是 , 必 皆 是 之 , 所 非 必 皆 非 之 , 上 有 過 則 規 諫 之,下 有 善 則 傍 薦 之 .」

„Wenn einer Gutes oder Schlechtes erfährt, dann soll er seinem Vorgesetzten davon berichten. Und was der Vorgesetzte für richtig hält, das müssen alle für richtig halten, und was er für falsch hält, das müssen alle für falsch halten. Wenn ein Vorgesetzter einen Fehler begeht, dann soll man sich in angemessener Weise beklagen, und wenn seine Untertanen Gutes tun, soll sie der Vorgesetzte empfehlen.“

「上 以 此 為 賞 罰 .」

„Auf dieser Grundlage belohnten [shang 賞] und bestraften [fa 罰] die Oberen […].“

Diese Verhaltensregeln werden dem Volk in den Gemeinden vom Gemeindevorsteher beigebracht. Er richtet die Menschen am Bezirksvorsteher aus, dessen Aufgabe es ist,

「同 鄉 之 義」

„[…] die Ansichten im Bezirk zu vereinheitlichen […].“

Der Bezirksvorsteher wiederum richtet die Menschen am Landesfürsten aus und dieser sie am Himmelssohn. Auf allen Ebenen bis hin zum Himmelssohn werden die Meinungen der Menschen weiter vereinheitlicht.

「察 天 下 之 所 以 治 者 何 也 ? 天 子 唯 能 壹 同 天 下 之 義 .」

„Denn prüfte man, worauf die Wohlgeordnetheit im Reiche beruht, so liegt sie einfach daran, daß der Himmelssohn die vielfältigen Ansichten in seinem Reiche zu vereinheitlichen versteht.“

Wenn Untertanen und Herrscher verschiedene Ansichten haben, werden jene, welche der Herrscher belohnt, vom Volk verachtet werden und solche, die er bestraft, vom Volk gelobt.

Das Volk hat kein Recht, sich gegen den Himmelssohn zu erheben. Sollte dieser jedoch nicht gemäß dem Willen des Himmels regieren, so wird das ganze Land von Naturkatastrophen heimgesucht und somit der Herrscher und das Volk bestraft.

„Aber selbst wenn sich jeder mit dem Himmelssohn identifiziert, aber nicht im Einklang mit dem Himmel ist, dann nehmen die Naturkatastrophen kein Ende.“

Die beiden Implementierungsebenen, die spirituelle und die weltliche, weisen beträchtliche Parallelen auf. In beiden Fällen ist der Wille des Himmels das maßgebende Prinzip (fa 法) und es wird auf ein System der Überwachung und der Belohnungen und Strafen gesetzt. Dies hat seine Ursache im Menschenbild des Mozi. Seiner Meinung nach müssen die Menschen gezwungen werden, sich rechtschaffen – oder vielmehr richtig – zu verhalten. Grundlage für die Wirksamkeit des Systems ist die totale Überwachung.

「是 以 舉 天 下 之 人 皆 恐 懼 振 動 惕 慄 , 不 敢 為 淫 暴 ,天 子 之 視 聽 也 神」

„Dadurch wurden die Einwohner des Reiches alle sehr erschreckt und fürchteten sich und wagten nicht, Schlechtes zu tun, und sagten: ‚Augen und Ohren des Himmelssohnes haben übernatürliche Fähigkeiten.’ [Chang übersetzt den letzten Teil als ‚The ruler is like a god in his seeing and hearing!‘ Hier wird die Nähe zu der sakralen Implementierungsebene deutlicher.]“

Das Volk lebt in Angst und Schrecken und ist zu gelähmt, um gegen das Gesetz, den Willen des Himmels, zu verstoßen. Die Methoden wirken einerseits von außen auf den Menschen, andererseits von innen heraus, so dass sie sich gegenseitig ergänzen und den Menschen vollständig einschließen.

Der Wille des Himmels (tian zhi 天 志) ist das Fundament des Mohismus. Er beschreibt die Grundlagen der funktionierenden Gesellschaft, zu deren Erlangen und Erhalten alles andere dient. Der Himmel greift nicht unmittelbar in die Welt ein, sondern über seine Agenten respektive über den Himmelssohn. Die Kommunikation mit diesen verläuft über den Willen des Himmels.

「天 之 意 不 欲 大 國 之 攻 小 國也 , 大 家 之 亂 小 家 也 , 強 之 暴 寡 , 詐 之 謀 愚 , 貴 之 傲 賤,[…] 欲 人 之 有 力 相 營 , 有 道 相 教 , 有 財 相 分 也 . 又 欲 之 強 聽 治 也 , 下 之 強 從 事 也 .」

„Der Himmel wünscht nicht, daß große Staaten kleine angreifen, daß große Familien bei kleinen Verwirrung stiften, daß die Starken den Minderheiten übel mitspielen, daß die Schlauen die Dummen überlisten und die Vornehmen die Geringen verachten. […] Er will, dass die Kräftigen ihre Mitmenschen unterstützen, die Gebildeten ihre Mitmenschen belehren und die Begüterten mit ihren Mitmenschen teilen. Auch will er, daß die Oberen sich ganz für die Regierung und die Unteren sich mit ihrer ganzen Kraft bei ihren Aufgaben einsetzen.“

„Der Himmel wünscht Gerechtigkeit und hasst Unrecht.“

„Der Himmel wünscht Leben und hasst Tod, er wünscht Wohlstand und hasst Armut, er wünscht Ordnung und hasst Unordnung.“

Der Wille des Himmels dient als Maßstab [fa 法] für das Verhalten aller Teile der Gesellschaft. Er ist das, was dem Gesetz bei Mozi am nächsten kommt und somit Eckpfeiler seiner Lehre. Die Befolgung des Gesetzes durch die Bevölkerung ist durch die Obrigkeit gesichert. Der Himmelssohn jedoch ist die höchste menschliche Instanz und somit keinem irdischen Wesen Rechenschaft schuldig. Sein Verhalten wird lediglich durch den Himmel selbst überwacht und mit Naturkatastrophen bestraft, sollte es seinem Willen zuwiderhandeln.

„Alles, was zusätzliche Ausgaben erfordert und nicht im Sinne des Volkes ist, verurteilten sie [die ‚heiligen Könige des Altertums‘].“

Mozi verlangt, dass Begräbnisse einfacher gestaltet werden. Er unterzieht sie seinem Utilitarismus. Die Särge, Totengewänder, Grabhügel und Gräber sollen einfacher gestaltet sein, so dass sie gerade ihrem Zweck dienen.

Die Musik ist für Mozi der Inbegriff der sozialen Ungerechtigkeit und steht stellvertretend für alle Arten von privilegiertem Luxus. Sie bleibt Reichen und Hochgestellten vorbehalten und wird vom einfachen Volk finanziert.

„[…] betrachtet man es [Musik, Prunk, Festmahle], so dient dies nicht dem Nutzen des Volkes. Daher sagte Meister Mo Ti: Musik zu machen ist schlecht.“

Nicht notwendige Kriege sind für Mozi eine unnötige Verschwendung (Mozi verdammt nicht generell Angriffskriege; Strafexpeditionen unterstützt er).

Land sei genügend da, so Mozi, zur Erzielung eines höheren Ernteertrages mangele es bloß an Menschen. Also fordert er eine frühe Heirat.

„Männer von zwanzig Jahren dürfen es nicht wagen, keinen Hausstand zu gründen, und Mädchen von fünfzehn Jahren dürfen es nicht wagen, keinem Manne zu dienen.“

Kriege müssen vermieden werden, denn sie fordern viele Tote und trennen die Soldaten für lange Zeit von ihren Frauen. Die Soldaten werden zudem von ihrer produktiven Arbeit abgehalten.

Die Musik bindet Arbeitskräfte, da für das Spielen der Instrumente junge Männer oder Frauen eingesetzt werden und sie das Spielen erlernen müssen. Des Weiteren müssen die Instrumente hergestellt werden. Doch auch das Hören der Musik selbst ist kontraproduktiv, denn die Fürsten hören Musik in Gesellschaft von Beamten und Geringen, was diese vom Arbeiten abhält.

„Dadurch, daß heute die Könige, Fürsten und hohen Beamten Musik machen lassen, rauben sie dem Volke die Mittel für Kleidung und Nahrung […]“

Bei Todesfällen Verwandter oder Vorgesetzter mussten die Menschen Trauerzeiten von bis zu drei Jahren einhalten. In dieser Zeit mussten sie sexuell abstinent leben und durften nicht arbeiten. Dies verringert einerseits den Bevölkerungszuwachs und hindert die Produktion. Außerdem waren Menschenopfer keine Seltenheit und so folgten z.B. dem Himmelssohn einige hundert Menschen in den Tod.

Die Philosophie des Mozi strebt das Ziel an, den Wohlstand, den Frieden und die Gerechtigkeit des Volkes zu verwirklichen und zu vermehren. Das wichtigste Kriterium für die Beurteilung der sakralen und weltlichen Dinge ist dabei die Nützlichkeit. Deshalb lehnt Mozi ungerechte Kriege, Prunksucht, Festmahle, einen aufgeblähten Beamtenapparat, Kunst und Musik ab und fordert für die Menschen ein einfaches Leben in harter Arbeit, ohne Luxus, ohne (unnütze) Freuden in einer strengen Ordnung, in der jeder seine Rolle zugewiesen bekommt.

Die ideale Ordnung ist nach Mozi ein nach außen hin friedliches Staatswesen mit einem untadeligen Herrscher (dem Himmelssohn, tian zi) an der Spitze, der das Wohlergehen des Volkes fördert. Auflehnung oder Widerstand gegen den Herrscher sind verboten, dennoch haftet das Volk für das Versagen des Herrschers. Der Mensch wird durch staatliche Gesetze und durch ständige Überwachung geformt. Belohnungen (shang) und Strafen (fa) sowie eine totale Überwachung durch den Staat sorgen für die Einhaltung der Gesetze und für einen Lebenswandel in Nächstenliebe und Menschlichkeit.

Die Philosophie des Mozi steht in einem tiefen Widerspruch zwischen den chaotischen, egoistischen und brutalen Wesen des Menschen einerseits und dem Idealbild des rechtschaffenen, guten und edlen Menschen andererseits. Dieser Widerspruch wird nicht durch einen inneren Wandel des menschlichen Charakters bzw. durch eine Veredelung des Gemüts aufgehoben, sondern durch Zwang von außen „bereinigt“.

Eine Adaption erfuhr sein Werk durch den deutschen Dichter Bertolt Brecht. Unter dem Titel Me-ti – Buch der Wendungen fasste Brecht eine Verhaltenslehre zusammen, in der in verballhornter Form die Lehre des Kommunismus dargestellt wird, wie ihn Brecht rezipiert hat. In der Figur der Lai-tu porträtierte Brecht seine Freundin Ruth Berlau, in der Figur des Ki-en-leh oder Kin-jeh sich selbst.

Der August 2016 in China gestartete erste Weltraumsatellit für Experimente zur Quantenkommunikation wurde Micius benannt. Das Projekt ist eine Kooperation zwischen Wissenschaftsinstituten in Österreich und China.

KVF

KVF
Grabmal von unbekannt

KVF (Kings‘ Valley no. F) bezeichnet ein altägyptisches Grab im Tal der Könige, das im Januar 1921 von Howard Carter während seiner Grabungsarbeiten für Lord Carnarvon entdeckt wurde

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. Es ist eines von insgesamt 20 angefangenen Gräbern beziehungsweise Gruben, die anstelle einer Ziffer einen Buchstaben zur Bezeichnung erhalten haben. Diese Gruben werden als „Arbeitergruben“, „Einbalsamamierungsgruben“ oder Cachettes bezeichnet und reichen gegenwärtig bis zur Bezeichnung KVT.

Das recht kleine Grab mit insgesamt 2

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,96 m² liegt im südwestlichen Wadi des Tals. KVF besteht aus einer absteigenden Treppe, die in einem einzigen, rechteckigen Raum endet. Es gibt keine Wanddekorationen und keine Hinweise auf einen Grabbesitzer und ob tatsächlich eine Bestattung stattgefunden hatte.

KVF wird in die 18. Dynastie (Neues Reich) datiert. In der Nähe des Grabes entdeckte Howard Carter vier Gruben von denen eine intakt war und Grabbeigaben von Thutmosis III. enthielt. Aufgrund dieser Funde und dem nicht weit entfernten KV34 nahm Carter deshalb an, es müsse einen Bezug zu KVF geben. Elizabeth Thomas hingegen sah die Gruben in Verbindung zu KV34. Nicholas Reeves hinterfragt, dass dieses Grab ein „Fehlstart“ für das Königsgrab von Thutmosis III. gewesen sein könnte

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KVF ist heute unzugänglich und mit Schutt verfüllt.

William H. Moody

William Henry Moody (* 23. Dezember 1853 in Newbury, Essex County, Massachusetts; † 2. Juli 1917 in Haverhill, Massachusetts) war ein US-amerikanischer Jurist und Politiker, der als Marine- und als Justizminister dem Kabinett der Vereinigten Staaten angehörte.

Moody absolvierte seine Schulausbildung an der Phillips Academy, die er 1872 abschloss. Anschließend begann er ein Studium der Rechtswissenschaften an der Harvard Law School, wo er Klassenkamerad des späteren US-Präsidenten Theodore Roosevelt war. Moody verließ jedoch bereits nach vier Monaten die Universität und setzte sein Studium bei dem bekannten Anwalt Richard Henry Dana fort, was zu dieser Zeit noch möglich war. Aufgrund dieses Privatstudiums verlieh ihm die Harvard University 1876 den Bachelor of Laws (LL.B.). Nach seiner Zulassung war er zunächst einige Zeit als Rechtsanwalt tätig, ehe er 1888 Staatsanwalt der Stadt Haverhill wurde.

Bereits zwei Jahre später erfolgte 1890 seine Berufung zum Bundesstaatsanwalt für Ost-Massachusetts. Als solcher erreichte er eine weite Bekanntheit als Stellvertretender Ankläger im bekannten Mordfall Lizzie Borden von 1893. Dabei erwarb er sich den Ruf eines sehr kompetenten und eifrigen Staatsanwalts.

Moody begann seine politische Laufbahn im November 1895 mit der Wahl in Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten. Dort vertrat der Republikaner bis Mai 1902 die Interessen des sechsten Kongresswahlbezirks von Massachusetts. Während dieser Zeit gehörte er dem einflussreichen Bewilligungsausschuss (House Appropriations Committee) an.

Am 1. Mai 1902 berief ihn sein Studienfreund und damalige US-Präsident Roosevelt als Nachfolger von Marineminister John D. Long in sein Kabinett. Dieses Amt übte er bis zum 30. Juni 1904 aus. Am folgenden Tag wurde er von Roosevelt als Nachfolger von Philander C. Knox, der zum US-Senator berufen worden war, zum Justizminister (Attorney General) ernannt.

Als Justizminister unterstützte er aktiv die vom Präsidenten verfolgte Entflechtung der Großkonzerne (Trusts) durch Verhandlungen mit den „guten“ Konzernen US Steel sowie Anklagen gegen „schlechte“ Trusts wie Standard Oil.

Als die Berufung von Kriegsminister William Howard Taft zum Richter scheiterte, nominierte Präsident Roosevelt stattdessen Moody am 12. Dezember 1906 zum Richter (Associate Judge) am Obersten Gerichtshof (Supreme Court).

Nach dem Rücktritt als Justizminister am 17. Dezember 1906 wurde er noch am gleichen Tag zum Richter am Obersten Gerichtshof berufen. Als Nachfolger von Henry Billings Brown übte er dieses Amt bis zum 20. November 1910 aus. Obwohl die Amtszeit Moodys am Supreme Court nur vier Jahre betrug, war er doch Verfasser von 67 Urteilsbegründungen sowie von fünf abweichenden Meinungen. Seine bekannteste Minderheitsmeinung war die zum Arbeitgeberhaftungsurteil (Employers Liability Cases) von 1908. In anderen Urteilsbegründungen legte er den fünften Verfassungszusatz aus, in dem verschiedene Rechte eines Angeklagten in Gerichtsverfahren sichergestellt sind und der Bestandteil der Bill of Rights ist.

Aufgrund seiner angegriffenen Gesundheit konnte er jedoch seit dem 7. Mai 1909 nicht mehr an Verhandlungen des Obersten Gerichtshofes teilnehmen, so dass ihn US-Präsident William Howard Taft um seinen Rücktritt bat. Nachdem es Taft gelungen war, durch eine vom Kongress verabschiedete „Lex Moody“ die Altersversorgung Moodys sicherstellen, obwohl dieser weder 70 Jahre alt, noch zehn Jahre Richter war, trat Moody am 20. November 1910 von seinem Richteramt zurück.

Nach seinem Tode wurde der Zerstörer USS Moody (DD-277) nach ihm benannt.

Allgemeine biografische Informationen und Monografien

Der Mordfall Lizzie Borden

Marineminister der Vereinigten Staaten
Stoddert | Smith | Hamilton | Jones | Crowninshield | S. Thompson | Southard | Branch | Woodbury | Dickerson | Paulding | Badger | Upshur | Henshaw | Gilmer | Mason | Bancroft | Mason | Preston | Graham | Kennedy | Dobbin | Toucey | Welles | Borie | Robeson | R. Thompson | Goff | Hunt | Chandler | Whitney | Tracy | Herbert | Long | Moody | Morton | Bonaparte | Metcalf | Newberry | Meyer | Daniels | Denby | Wilbur | Adams | Swanson | Edison | Knox | Forrestal

Marinestaatssekretäre im Verteidigungsministerium
Sullivan | Matthews | Kimball | Anderson | Thomas | Gates | Franke | Connally | Korth | Nitze | Ignatius | Chafee | Warner | Middendorf | Claytor | Hidalgo | Lehman | Webb | Ball | Garrett | O’Keefe | Dalton | Danzig | England | Winter | Mabus

Randolph | Bradford | Lee | Lincoln | Breckinridge | Rodney | Pinkney | Rush | Wirt | Berrien | Taney | Butler | Grundy | Gilpin | Crittenden | Legaré | Nelson | Mason | Clifford | Toucey | Johnson | Crittenden | Cushing | Black | Stanton | Bates | Speed | Stanbery | Evarts | Hoar | Akerman | Williams | Pierrepont | Taft | Devens | MacVeagh | Brewster | Garland | Miller | Olney | Harmon | McKenna | Griggs | Knox | Moody | Bonaparte | Wickersham | McReynolds | Gregory | Palmer | Daugherty | Stone | Sargent | W. Mitchell | Cummings | Murphy | Jackson | Biddle | T. Clark | McGrath | McGranery | Brownell | Rogers | Kennedy | Katzenbach | R. Clark | J. Mitchell | Kleindienst | Richardson | Saxbe | Levi | Bell | Civiletti | Smith | Meese | Thornburgh | Barr | Reno | Ashcroft | Gonzales | Mukasey | Holder | Lynch

1. Bezirk: F. Ames | Sedgwick | Skinner | Sedgwick | J. Bacon | Eustis | Quincy | Ward Jr. | Mason | Gorham | Webster | Gorham | N. Appleton | Gorham | A. Lawrence | Fletcher | A. Lawrence | Winthrop | N. Appleton | Winthrop | S. Eliot | W. Appleton | Scudder | T.D. Eliot | Hall | T.D. Eliot | Buffinton | Crapo | R. Davis | Randall | Wright | G. Lawrence | Treadway | Heselton | Conte | Olver | Neal • 2. Bezirk: Goodhue | Dexter | W. Lyman | Shepard | J. Crowninshield | Story | Pickman | W. Reed | Pickering | Silsbee | Barstow | B. Crowninshield | Choate | Phillips | Saltonstall | King | Rantoul | Fay | S. Crocker | Buffinton | O. Ames | B. Harris | Long | E. Morse | Gillett | Churchill | Bowles | Kaynor | Granfield | Clason | Furcolo | Boland | Neal | McGovern • 3. Bezirk: Gerry | Goodhue | S. Lyman | Mattoon | Cutler | Nelson | Livermore | White | Pickering | Nelson | J. Varnum | Nelson | Osgood | Cushing | A. Abbott | Duncan | Edmands | Damrell | C. Adams | Thomas | A. Rice | Twichell | Whiting I | Pierce | Field | B. Dean | Field | Ranney | Morse | J. Andrew | J. Walker | J.R. Thayer | R. Hoar | C. Washburn | J.A. Thayer | Wilder | Paige | F. Foss | Casey | Philbin | Drinan | Donohue | Early | Blute | McGovern | N. Tsongas

4. Bezirk: Sedgwick | Holten | Foster | L. Lincoln | S. Hastings | J.B. Varnum | W. Richardson | Dana | Stearns | T. Fuller | E. Everett | S. Hoar I | Parmenter | B. Thompson | Palfrey | B. Thompson | Sabine | Walley | Comins | A. Rice | Hooper | Frost | J. Abbott | L. Morse | Collins | O’Neil | Apsley | Weymouth | Tirrell | J. Mitchell | Wilder | Winslow | Stobbs | P. Holmes | Donohue | Drinan | Frank | J.P. Kennedy III • 5. Bezirk: Partridge | Bourne | Foster | Freeman | L. Williams | T. Dwight | W. Ely | Mills | Lathrop | Sibley | J. Davis | L. Lincoln Jr. | Hudson | C. Allen | W. Appleton | Burlingame | W. Appleton | Hooper | Alley | Butler | Gooch | Banks | Bowman | L. Morse | Hayden | Banks | S. Hoar II | M. Stevens | Knox | B. Ames | J. Rogers | E. Rogers | F. B. Morse | Cronin | P. Tsongas | Shannon | Atkins | Meehan | N. Tsongas&nbsp mcm taschen sale;| Markey | Clark • 6. Bezirk: G. Thatcher | Leonard | W. Lyman | J. Reed Sr. | Smith | Taggart | S. Allen | Locke | J.G. Kendall | Grennell | Alvord | Baker | Ashmun | G. Davis | C. Upham | T. Davis | Alley | Gooch | Banks | Butler | C. Thompson | Loring | Stone | H. Lovering | Lodge | Cogswell | Moody | A. Gardner | Lufkin | A. Andrew | G. Bates | W. Bates | Harrington | Mavroules | Torkildsen | Tierney | Moulton

7. Bezirk: Leonard | Ward | Sedgwick | Leonard | Bullock | Bishop | N. Mitchell | Barker | W. Baylies | Turner | W. Baylies | Hulbert | Shaw | H. Dwight | S. Allen | Grennell | Briggs | J. Rockwell | Goodrich | Banks | Gooch | Boutwell | Brooks | Esty | E. Hoar | Tarbox | Butler | W. Russell | Stone | Cogswell | W. Everett | Barrett | Roberts | Phelan | Maloney | W. Connery | L. Connery | Lane | Macdonald | Markey | Capuano • 8. Bezirk: Grout | G. Thatcher | Ward | F. Ames | Otis | Eustis | L. Williams | Green | G. Gardner | Green | J. Reed Jr. | W. Baylies | Sampson | Hobart | Lathrop | I. Bates | Calhoun | J.Q. Adams | Mann | Wentworth | Knapp | Train | Baldwin | G. Hoar | J. Williams | Warren | Claflin | Candler | W. Russell | C.H. Allen | Greenhalge | M. Stevens | McCall | Deitrick | Dallinger | H. Thayer | Dallinger | Healey | Goodwin | Macdonald | O’Neill | J.P. Kennedy II | Capuano | Lynch • 9. Bezirk: Bourne | J.B. Varnum | Bishop | J. Dean | Wheaton | J. Reed Jr. | Folger | J. Reed Jr. | H. Dwight | Briggs | Jackson | W. Hastings | H. Williams | Hale | Fowler | Little | De Witt | E. Thayer | G. Bailey | A. Walker | W. Washburn | A. Crocker | G. Hoar | W. Rice | T. Lyman | F. Ely | Burnett | Candler | G. Williams | O’Neil | Fitzgerald | Conry | Keliher | Murray | Roberts | A. Fuller | Underhill | Luce | R. Russell | Luce | T.H. Eliot | Gifford | Nicholson | Keith | McCormack | Hicks | Moakley | Lynch | Keating

10. Bezirk: Coffin | Goodhue | Sewall | Read | S. Hastings | J. Upham | J. Allen | Brigham | Wheaton | Morton | F. Baylies | J. Bailey | H.A. Dearborn | W. Baylies | Borden | H. Williams | Borden | Burnell | Grinnell | Scudder | Dickinson | Chaffee | Delano | Dawes | A. Crocker | C. Stevens | Seelye | Norcross | W. Rice | J.E. Russell | J. Walker | McEttrick | Atwood | Barrows | Naphen | McNary | O’Connell | Curley | Murray | Tague | Fitzgerald | Tague | Douglass | Tinkham | Herter | Curtis | Martin | Heckler | Studds | Delahunt | Keating • 11. Bezirk: H. Dearborn | Bradbury | Bartlett | Cutler | Stedman | A. Bigelow | Brigham | B

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. Adams | J. Russell | Hobart | J. Richardson | J.Q. Adams | J. Reed Jr. | Burnell | Goodrich | Trafton | Dawes | Chapin | Robinson | Whiting II | Wallace | Coolidge | Draper | Sprague | Powers | Sullivan | Peters | Tinkham | Douglass | Higgins | Flaherty | Curley | J.F. Kennedy | O’Neill | Burke | Donnelly • 12. Bezirk: G. Thatcher | H. Dearborn | I. Parker | Lee | S. Thatcher | Skinner | Larned | Bidwell | E. Bacon | Dewey | Hulbert | Strong | J. Kendall | L. Bigelow | F. Baylies | Hodges | J.Q. Adams | Robinson | F. Rockwell | Crosby | E. Morse | W. Lovering | Powers | Weeks | Curley | Gallivan | McCormack | Keith | Studds

13. Bezirk: Wadsworth | Seaver | Ruggles | Dowse | Eustis | J. Reed Jr. | Randall | Simpkins | Greene | Weeks | J. Mitchell | Carter | Luce | Wigglesworth | Burke • 14. Bezirk: Cobb | G. Thatcher | Cutts | King | J. Holmes | W. Lovering | E. Foss | R. Harris | Gilmore | Olney | Frothingham | Wigglesworth | Martin • 15. Bezirk: Wadsworth | Ilsley | Whitman | Widgery | Bradbury | Whitman | Greene | Leach | Martin | Gifford • 16. Bezirk: S. Thatcher | Cook | Tallman | S. Davis | Brown | Orr | Hill | Thacher | Walsh | Gifford • 17. Bezirk: Bruce | Chandler | Gannett | F. Carr | Wood | J. Carr | Wilson | Kinsley • 18. Bezirk: Wilson | T. Rice | J. Parker • 19. Bezirk: J. Parker | Conner | Gage | Cushman • 20. Bezirk: Hubbard | Parris | E. Lincoln

Utagawa Sadahide

Utagawa Sadahide (jap. 歌川 貞秀; * 1807; † 1878 oder 1879) war ein Meister des japanischen Farb-, Holzschnitts im Stil des ukiyo-e.

Über sein Leben ist so gut wie nichts bekannt. Geboren wurde er als Hashimoto Kenjirō (橋本 兼次郎) in der Provinz Shimousa (heute Präfekturen Chiba und Ibaraki). Für das Jahr 1875 ist belegt, dass er im Edoer Stadtviertel Fukagawa (heute Bezirk Kōtō in Tokio) gewohnt hat. In den frühen 1820er-Jahren begann er seine Ausbildung als Holzschnittkünstler im Studio von Utagawa Kunisada I. und gilt als einer der bedeutendsten Schüler Kunisadas.

1867 war er einer von elf Künstlern, deren Arbeiten auf der Pariser Weltausstellung die damalige zeitgenössische, japanische Kunst repräsentierten. Im Jahr 1868 wurde er in Edo als der führende Holzschnittkünstler seiner Zeit geführt.

Auf den von ihm entworfenen Drucken signierte er mit den Beinamen Gyokuransai (玉蘭斎), Gountei (五雲亭) oder Gyokuō (玉翁) vor seinem Künstlernamen Sadahide, gelegentlich noch ergänzt um den ursprünglichen Familiennamen Hashimoto.

Sadahides erste bekannte Arbeit waren die Illustrationen zum ersten Band von Jippensha Ikkus Misaogata tsuge no ogushi, der 1824 erschien. Der erste von ihm gezeichnete Schauspielerdruck erschien 1827. In den folgenden Jahren verlegte er sich verstärkt auf den Entwurf von Drucken, die schöne Frauen (bijin-e) darstellten. In den 1830er- und 1840er-Jahren entwarf er zahlreiche Kriegerdrucke (musha-e) und Landschaftsansichten

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. In den 1860er-Jahren war er vor allem als Zeichner der Yokohama-e, Drucke mit Darstellungen von Ausländern und deren Lebensgewohnheiten in der ihnen zugewiesenen Niederlassung in Yokohama, von seinen Zeitgenossen geschätzt. Besondere Anerkennung brachten ihm vor allem seine Panoramadarstellungen japanischer Städte und Landschaften ein. Aus der Vogelperspektive werden auf diesen, bis zu sechs ōban-Blätter (ca

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. 1,5 m) breiten Panoramadrucken zahlreiche Details von Städten wie Edo, Yokohama, Kyōto, Ōsaka und Nagasaki abgebildet. Oder sie enthalten Ansichten von berühmten Pilgerstätten und Tempelanlagen mit genauen Angaben der sich in deren Umgebung befindlichen Sehenswürdigkeiten.

Darüber hinaus war er im Laufe seines künstlerischen Schaffens an der Illustration von mehr als 230 Büchern, zumeist zeitgenössischen Romanen und Erzählungen, beteiligt.

John Gosper

John Jay Gosper (* 1841; † 15. Mai 1913) war ein US-amerikanischer Politiker (Republikanische Partei) und Geschäftsmann, der die Posten des Secretary of State von Nebraska und des Secretary of Arizona Territory bekleidete. Ferner war er, nachdem John C. Frémont sein Amt als Gouverneur aufgab, kommissarischer Gouverneur des Arizona-Territoriums.

Als der Bürgerkrieg ausbrach, meldete er sich freiwillig zum Dienst in der Unionsarmee. Dort erreichte er den Rang eines Colonel. Außerdem verlor er in einer Schlacht sein linkes Bein. Nach dem Krieg zog er nach Nebraska, wo er zum Secretary of State gewählt wurde.

Anschließend wurde er von US-Präsident Rutherford B. Hayes zum Secretary of the Territory im Arizona-Territorium ernannt. Gosper kam am 30. Mai 1877 in Arizona an. Er war unter den Gouverneuren Hoyt und Frémont tätig.

Das Gosper County in Nebraska ist nach ihm benannt.

Arizona-Territorium (1863–1912):
Goodwin | McCormick | Carter | Safford | Hoyt&nbsp

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;| Frémont | Gosper | Tritle | Zulick | Wolfley | Irwin | Murphy | Hughes | Bruce | Franklin | McCord | Murphy | Brodie | Nichols | Kibbey | Sloan | Hunt

Bundesstaat Arizona (seit 1912):
Hunt | Campbell | Hunt | Campbell | Hunt | Phillips | Hunt | Moeur | Stanford | Jones | Osborn | Garvey | Pyle | McFarland | Fannin | Goddard&nbsp

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;| Williams | Castro | Bolin | Babbitt&nbsp

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;| Mecham | Mofford | Symington | Hull | Napolitano | Brewer | Ducey

Peter Dalcher

Peter Dalcher (* 26. April 1926 in Pessac; † 30. Dezember 2010 in Zug) war ein Schweizer Sprachwissenschafter und Lexikograph und fünfter Chefredaktor des Schweizerischen Idiotikons.

Dalcher kam im französischen Aquitanien zur Welt, wo sein aus dem Baselbiet stammender Vater für ein Schweizer Unternehmen arbeitete. Nachdem die Familie in die Schweiz zurückgekehrt war, besuchte er die Primar- und die Kantonsschule in Zug. Das anschliessende Studium der Germanistik und Anglistik absolvierte Dalcher in Zürich, Basel und Aberdeen und schloss es bei Rudolf Hotzenköcherle mit einer 1957 erschienenen Dissertation über die Fischereiterminologie im Zuger Urkundenbuch ab

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.

Schon als Student stellte Dalcher zuhanden des Deutschen Wörterbuchs Material aus den noch ungedruckten Beständen des Schweizerischen Idiotikons zusammen. 1955 trat er am Idiotikon eine Stelle als Redaktor an und stand diesem (als Nachfolger von Hans Wanner) von 1974 bis zu seiner Pensionierung 1991 als Chefredaktor vor.

Dalcher erteilte ab 1969 an der Universität Freiburg im Üechtland Unterricht in Mittelhochdeutsch und wurde 1976 ebenda zum Titularprofessor für deutsche Sprachwissenschaft ernannt. Überdies nahm er Lehraufträge an der Universität Zürich wahr

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. Sein besonderes Interesse galt den Anglizismen im Schweizerdeutschen, über die er eine umfassende, heute im Archiv des Idiotikons aufbewahrte Sammlung anlegte.

Neben seiner Berufstätigkeit war Dalcher für die Freisinnig-Demokratische Partei Mitglied des Zuger Grossen Gemeinderates (kommunale Legislative) und des Zuger Kantonsschulrates, und er amtete ein gutes Jahrzehnt als Vizepräsident und Präsident der Zuger Kunstgesellschaft. Vehement trat er für die Erhaltung der Landschaft seiner engeren Heimat ein. Seine humorvolle Seite kam unter anderem in den Stücken zum Ausdruck, die er für das Cabaret Durzug verfasste.

Dalcher erhielt 1991 den Anerkennungspreis des Kantons Zug «für seine Verdienste als Sprachwissenschafter und seine Tätigkeit in kulturellen Vereinigungen», und 1991 sowie 2001 wurden Tagungen zu seinen Ehren organisiert.

Überdies wurden ihm zwei Festschriften gewidmet:

Von den Nachrufen ist besonders zu nennen:

Wilhelmine von Lichtenau

Wilhelmine Gräfin von Lichtenau, Gräfin seit 1794, geborene Wilhelmine Enke (auch Encke), verheiratete Rietz (* 29. Dezember 1753 in Dessau; † 9. Juni 1820 in Berlin) war zunächst die Maitresse und später Vertraute und Beraterin Friedrich Wilhelms II. von Preußen. Sie war eine einflussreiche Mäzenin des preußischen Frühklassizismus. So war sie für die Einrichtung einiger wichtiger Schlösser in Berlin und Potsdam verantwortlich und mit führenden Gelehrten und Künstlern der Zeit eng verbunden.

Wilhelmine wurde als Tochter des Dessauer Hornisten Johann Elias Enke geboren. Der Vater war „kgl. Cammer-Musikus“ in Diensten Friedrichs II. an der Königlichen Oper in Berlin. Um 1762

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, nach dem Umzug der Familie nach Berlin, lernte Wilhelmine den Kronprinzen Friedrich Wilhelm kennen. Dieser ließ dem Mädchen eine fundierte Bildung zuteilwerden, bevor sich um 1769 eine sexuelle Beziehung entwickelte. Nach langen Kämpfen erkannte Friedrich II. Wilhelmine 1777 als Mätresse des Prinzen an. Sie erhielt ein Haus in Charlottenburg, das sie in den folgenden Jahren nach und nach ausbaute.

Der Beziehung Wilhelmine Enkes mit dem Prinzen entstammten sechs Kinder, von denen vier noch als Kleinkinder verstarben. Der 1779 geborene Lieblingssohn Friedrich Wilhelms II. Graf Alexander von der Mark blieb der Nachwelt nach seinem frühen Tod 1787 durch sein von Johann Gottfried Schadow geschaffenes Grabmal in Erinnerung. Das Erwachsenenalter erreichte nur die Tochter Marianne von der Mark (1780–1814).

Nach einem religiösen Erweckungserlebnis im Jahr 1782 löste Friedrich Wilhelm die sexuelle Beziehung zu Wilhelmine. Sie heiratete nun den Kammerdiener und späteren Kämmerer Johann Friedrich Rietz (1755–1809). Aus dieser Ehe entstammten drei weitere Kinder. Seine Kinder mit Wilhelmine erhob Friedrich Wilhelm II. nach dem Tod Friedrichs II. 1786 in den Adelsstand. Einen Enkel Wilhelmines aus der Ehe mit Rietz namens Jacob Wilhelm adelte König Friedrich Wilhelm IV. im Jahr 1842. Er begründete die bis heute bestehende Familie von Ritz-Lichtenow.

Lichtenau, nun Madame Rietz genannt, wurde die engste Vertraute und Beraterin des Königs in Fragen der Kunst. Bei einer einjährigen Italienreise 1795/96 lernte sie den Archäologen Aloys Hirt, William Hamilton und seine Frau und den Maler Jakob Philipp Hackert kennen. Während dieser Zeit erhob Friedrich Wilhelm sie durch eine um zwei Jahre zurück datierte Urkunde zur Gräfin Lichtenau.

Nach der Rückkehr wurde ihr Berliner Haus, das Niederländische Palais Unter den Linden, zu einem der frühen Salons der Stadt. Hier verkehrten u.a. der Archäologe Aloys Hirt, der sie nach Berlin begleitet hatte, der englische Exzentriker Lord Bristol und der Komponist Johann Friedrich Reichardt.

Friedrich Wilhelm III. ließ nach dem Tode seines Vaters umgehend unter anderem wegen Hochverrats und Unterschlagung gegen Wilhelmine ermitteln. Obwohl die Ermittlungen ins Leere liefen, wurde Lichtenau in Festungshaft genommen und nach Glogau verbannt

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. 1800 wurde ihr gesamtes Vermögen konfisziert, stattdessen erhielt sie eine Pension. Erst 1811 wurde Lichtenau vollständig rehabilitiert, nachdem sie – auf Intervention Napoleons I. – für ihr enteignetes Vermögen 1809 in Teilen entschädigt worden war und nach Berlin zurückkehren durfte.

Am 3. Mai 1802 heiratete Lichtenau in Breslau den 26 Jahre jüngeren Theaterdichter Franz Ignaz Holbein von Holbeinsberg, der unter dem Künstlernamen „Fontano“ auch als Schauspieler auftrat. Nach vier Jahren wurde die Ehe wieder geschieden und Lichtenau kehrte nach Berlin zurück. Hier verstarb sie 1820 und wurde in der Nähe ihres Wohnhauses Unter den Linden in der Gruft der Hedwigskirche beigesetzt. Die Gruft wurde 1943 leergeräumt, um als Luftschutzkeller zu dienen. Zusammen mit 80 weiteren teilweise sehr bekannten Berliner Persönlichkeiten wurde sie – nun in einem schlichten Sarg – auf den Hedwigskirchhof an der Liesenstraße umgebettet. Ihr Grab wurde 1961 noch einmal abgeräumt, da es nun im Todesstreifen der Berliner Mauer lag.

Der ehemalige Todesstreifen ist heute wieder als Grünfläche zugänglich. Der Ort ihrer Grabstelle wurde jüngst mittels einer eingelassenen kleinen Platte kenntlich gemacht mcm taschen sale. Sie liegt neben dem ebenfalls wieder kenntlich gemachten Grab des bedeutenden und spendablen Kunstsammlers Graf Athanasius von Raczynski.

Lichtenau entwickelte sich in den Regierungsjahren ihres Freundes und Gönners Friedrich Wilhelm II. zur einflussreichen Mäzenin und Innenraumgestalterin. Die Inneneinrichtungen des Schlösschens auf der Pfaueninsel, der Winterkammern in Schloss Charlottenburg, sowie die Erweiterung und Neueinrichtung des Marmorpalais in Potsdam gehen auf sie zurück. Diese Interieurs gelten als die bedeutendsten ihrer Zeit in Berlin/Potsdam und waren von großem Einfluss auf die Gestaltung von Paretz.

Zudem erwarb sie wichtige Kunstwerke für die Berliner Sammlungen, kämpfte mit Aloys Hirt für die Einrichtung eines öffentlichen Museums in Berlin und war eine wichtige Auftraggeberin von Künstlern wie Johann Gottfried Schadow, Carl Gotthard Langhans und Michael Philipp Boumann.

1984 wurde ihr Leben im Vierteiler „Die schöne Wilhelmine“ nach dem gleichnamigen Roman von Ernst von Salomon mit Anja Kruse in der Hauptrolle verfilmt.

Uljaniwka

Uljaniwka (ukrainisch Улянівка; russisch Ульяновка/Uljanowka) ist eine Siedlung städtischen Typs in der ukrainischen Oblast Sumy mit etwa 2400 Einwohnern (2014).

Uljaniwka wurde im späten 17. Jahrhundert gegründet, erhielt 1957 den Status einer Siedlung städtischen Typs und ist das administrative Zentrum der gleichnamigen Siedlungsratsgemeinde, zu der noch die Dörfer Bakscha (Бакша) mit etwa 110 Einwohnern und Pawlenkowe (Павленкове) mit etwa 100 Einwohnern gehören.

Uljaniwka liegt im Zentrum des Rajon Bilopillja am Ufer des kleinen Flusses Wyr (ukrainisch Вир), einem Nebenfluss des Seim, 25 km südlich vom Rajonzentrum Bilopillja und 45 km westlich der Oblasthauptstadt Sumy. Durch den Ort führt die Territorialstraße T–19–06, im Süden der Ortschaft verläuft die Fernstraße P–61. Im Südosten grenzt Uljaniwka an die Siedlung städtischen Typs Mykolajiwka.

Bilopillja | Buryn | Druschba | Hluchiw | Konotop&nbsp

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;| Krolewez | Lebedyn | Ochtyrka | Putywl | Romny | Schostka | Seredyna-Buda | Sumy | Trostjanez | Woroschba

Siedlungen städtischen Typs
Chotin | Dubowjasiwka | Esman | Jampil | Kyrykiwka | Krasnopillja | Lypowa Dolyna | Mykolajiwka | Nedryhajliw | Nysy | Schalyhyne | Snob-Nowhorodske | Stepaniwka | Swessa | Terny | Tschupachiwka | Uhrojidy | Uljaniwka | Welyka Pyssariwka | Woronisch

Böckingen

Böckingen ist mit etwa 21.300 Einwohnern der nach der Kernstadt größte und älteste Stadtteil von Heilbronn. Der Ort liegt am linken Ufer des Neckars südwestlich von der Heilbronner Kernstadt. Böckingen gehörte bereits vom 14. bis 19. Jahrhundert als reichsstädtisches Dorf zur Reichsstadt Heilbronn, besaß jedoch vom 4

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. Dezember 1919 bis zur Eingemeindung nach Heilbronn am 1. Juni 1933 auch selbst das Stadtrecht.

Böckingen liegt am linken Ufer des Neckars südwestlich der Heilbronner Kernstadt. Die umliegenden Orte sind im Uhrzeigersinn Heilbronn, Sontheim, Horkheim, Klingenberg, Leingarten, Frankenbach und Neckargartach, mit Ausnahme von Leingarten allesamt Stadtteile von Heilbronn.

Die historische Ortsmitte von Böckingen befindet sich im Süden der besiedelten Fläche, in etwa auf Höhe des Abzweigs des Neckarkanals vom Neckar-Altarm. Der Ort hat sich in jüngerer Zeit durch Gewerbegebiete und Neubausiedlungen wie die Wohngebiete Haselter, Kreuzgrund, Längelter, Schollenhalde und Schanz stark nach Norden und Westen ausgedehnt. Nicht offiziell, aber geläufig ist zudem die Gliederung des Stadtteiles in die zwei Teile Alt- und Neu-Böckingen, die durch die Bahngleise der S4, ein angrenzendes Kleingartenareal sowie den Rangierbahnhof getrennt sind.

Bis ins 14. Jahrhundert lag Böckingen direkt am Ufer des Neckar-Hauptstromes. Bei einem Hochwasser im Jahr 1333 bahnte sich der Hauptstrom weiter östlich einen neuen Weg, den heutigen Neckar-Altarm. Der teilweise trocken gefallene frühere Flusslauf bildete den Böckinger See, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts weiter trockengelegt und nach dem Zweiten Weltkrieg mit den Trümmern des fast vollständig zerstörten Ortes vollends zugeschüttet wurde. Vom See zeugt heute nur noch die Seestraße. Auch der Utznamen „Seeräuber“ der Böckinger Bevölkerung geht darauf zurück.

Erste Besiedlungsspuren in Böckingen datieren um 4000 v. Chr. Die fruchtbaren Neckarauen mögen Anlass zur Besiedlung gegeben haben.

Um 85/90 n. Chr. errichteten die Römer bei Böckingen das zum Neckar-Odenwald-Limes gehörende Kastell Heilbronn-Böckingen, welches 1886 erstmals genau lokalisiert und später durch Ausgrabungen nachgewiesen werden konnte. 1677 wurde in Hetensbach am „Guckulimoor“ ein römischer Altarstein gefunden, der folgende Inschrift trägt: CAMPESTRIB[VS]/ EX VOTO / C[AIVS] SANCTINVS / GAI FIL[IVS] QVIR[INA] / AETERNVS PR[AEPOSITVS] oder PR[AEFECTVS]. Übersetzt heißt die Inschrift: Den Göttinnen des Exerzierplatzes gemäß seinem Gelübde Gaius Sanctinius Aeternus, Sohn des Gaius aus der Quirinischen Tribus, Befehlshaber. Damit wurden die mastres campestres die Schutzgöttinnen der Auxiliarreiter verehrt. Campestres stammt von campus ab und bezeichnet den Exerzierplatz im Truppenlager. Publius Nasellius Proclianus, Centurio der 8. Augustinischen Legion, Befehlshaber der 1. Kohorte der Helvetier ließ in Böckingen drei Altarsteine aufstellen, wovon der Altarstein für Mithras beim Sonnenbrunnen gefunden worden ist. Die beiden anderen, den Altarstein für die Rücksicht nehmenden Fortuna und dem Phytischen Apollo wurden nicht mehr gefunden. Andere römische Inschriftensteine befinden sich heute im Antiquarium in Stuttgart. Die Untersuchung der Römeranlagen in Böckingen geht bis auf das späte 19. Jahrhundert zurück. Am 14. Oktober 1897 begann der Streckenkommissär für die Limesforschung Major a.D. Steimle nach dem castrum auf der Gemarkung von Böckingen zu graben. Ort seiner Grabungen waren dabei die Sumpf- und Steinäcker Böckingens.

In nachrömischer Zeit gehörte Böckingen zunächst zum alemannischen Siedlungsbereich. Der Name des Ortes lautet in den ältesten Urkunden Backingen bzw. Beckingen und geht vermutlich auf einen alemannischen Stammesfürst Baco zurück. Alamannische Gräber des 4. und 5. Jahrhunderts wurden südlich und südwestlich des römischen Kastells und damit im Norden von Böckingen gefunden. In den Jahren 1950, 1960 und 1961 wurden durch Bauarbeiten am Forchenweg vier alamannische Gräber entdeckt. In zwei reich ausgestatteten Frauengräbern befanden sich zum Beispiel eine Reiterfibel und eine Bronzeschnalle bzw. eine Gewandspange mit einem gehörnten Tierkopf am Ende des Fibelfusses. Bereits im Jahre 1895 fand man beim Bau des Rangierbahnhofes in den Klammenäckern ein fränkisch-alamannische Reihengräberfeld mit reichen Beigaben. Unter den Waffen befanden sich zum Beispiel Lanze, Schildbuckel und damaszierte Spatha, die wohl in Privatsammlungen oder in den Kunsthandel gelangten. Die Gräber gehörten in Böckingen zu zwei Höfen, die sich nördlich des Sonnenbrunnen-Baches am Heidenrain und weiter im Süden auf den Klammenäckern befanden.

Nach der Niederlage der Alamannen gegen die Franken im Jahr 496 kam das Gebiet im Zuge der fränkischen Landnahme in deren Besitz. Auf der Flur Zigeunerstock im Süden von Böckingen, weiterhin in der Klingenberger Straße über die Flur Haggassengärten und auf der Schollenhalde wurde fränkische Reihengräber gefunden. In einem 75 x 80 Meter großen Reihengräberfeld am Zigeunerstock aus dem 6. bzw. 7. Jahrhundert wurden 160 Bestattungen gezählt, wobei 119 Grabbeigaben aus 47 Gräbern sichergestellt wurden.

Die erste Erwähnung des Ortes erfolgt im Lorscher Codex in einer auf das Jahr 767 datierten Schenkungsurkunde. Neben Böckingen werden in dieser Urkunde auch Frankenbach, Schluchtern und Biberach genannt, außerdem werden Weingärten im Bereich der verschenkten Ländereien erwähnt. Insgesamt wird Böckingen im Lorscher Codex acht Mal in Urkunden des 8. und 9. Jahrhunderts genannt, dabei wird auch schon eine Kirche erwähnt: 795 verschenkte Morlach, vermutlich ein Gaugraf des Kochergaus, eine Basilika in Böckingen.

Im frühen Mittelalter gehörten zur Markung von Böckingen außer dem eigentlichen Dorf auch das um 1400 abgetrennte Dorf Klingenberg, das im 8. Jahrhundert urkundlich erwähnte und spätestens 1496 abgegangene Dorf Hetensbach bzw. Hetenesbach oder Heitingesbach sowie der Ort Rühlingshausen, auf den heute lediglich ein Flurname 3,2 km im Südwesten bei Klingenberg noch hinweist.

1140 wird im Hirsauer Codex erstmals das Geschlecht der Herren von Böckingen erwähnt, die aufgrund der Wappengleichheit vermutlich verwandtschaftliche Beziehungen mit den Herren von Neipperg hatten und deren Burg in Böckingen sich vermutlich auf einer Anhöhe im Bereich der heutigen Hofstattstraße befand.

Die Herren von Böckingen waren ursprünglich Ministeriale im Dienst der Grafen von Calw und stiegen dann später in den Niederadel auf. Die Familie hatte die Vogteirechte in Böckingen zu drei Vierteln von den Grafen von Württemberg und zu einem Viertel von den Grafen von Eberstein.

Zwar starb der Böckinger Ortsadel erst mit Eberhard II. von Böckingen (1526–1550) im Mannesstamm aus, allerdings verkauften bereits 1342 die Witwe von Konrad II., Gertrud von Remchingen (1297–1342), und ihr Sohn Johann II. (1333–1366) sowie dessen Ehefrau die Burg sowie drei Viertel der Vogtei zu Böckingen an die Stadt Heilbronn. 1431 erwarb die Stadt auch das letzte (ehemals Ebersteinsche) Viertel.

Dem Ort stand künftig ein Vogt vor, der allein vom Rat der Reichsstadt (und das waren fast ausschließlich die Heilbronner Patrizier) bestimmt wurde.

Besitz in Form von Höfen, unbebauten Hofstellen und Hausplätzen am Ort hatten im späten Mittelalter außerdem das Heilbronner Klarakloster, das Kloster Schöntal sowie die Deutschordenskommende Heilbronn.

Böckingen war das Heimatdorf der Schwarzen Hofmännin und von Jäcklein Rohrbach, bekannter Anführer der Bauern im Deutschen Bauernkrieg. Rohrbach war unter anderem für die Weinsberger Bluttat 1525 verantwortlich, die das Ansehen der Bauern schwer schädigte und die Adligen zur Rache gegen die Bauern anstachelte. Nach der Niederschlagung des Aufstands wurde Böckingen zur Strafe dafür, dass es das Heimatdorf Rohrbachs war, teilweise niedergebrannt. Jäcklein Rohrbach und der Böckinger Schultheiß wurden bei lebendigem Leib verbrannt.

1530 wurde in Böckingen von Heilbronn ausgehend die Reformation eingeführt. Ein Rathaus in Böckingen wurde erstmals 1544 erwähnt.

Die Burg des Ortes ist wohl spätestens in der Mitte des 16. Jahrhunderts abgegangen. Bis ins 19. Jahrhundert hatte der Ort eine rein bäuerlich-dörfliche Struktur. Als Ortsbefestigung wird 1427 ein Graben erwähnt, um 1600 war der Ort mit Zaun und Toren befestigt, 1684 außerdem mit einem Erdwall. Die Bebauung des Ortes bestand größtenteils aus bäuerlichen Hofanlagen unterschiedlicher Größe. Die Hauptverkehrsachse des Ortes war als Ost-West-Achse die Schafhausgasse (heute: Stedinger Straße), die beim späteren Wachstum des Ortes jedoch ihre zentrale Funktion eingebüßt hat und heute lediglich noch Erschließungsweg für Anlieger ist.

Im Jahre 1802/03 erging der Reichsdeputationshauptschluss, durch den die Reichsstadt Heilbronn ihre Reichsfreiheit verlor und an Württemberg kam. Böckingen und die anderen drei vormals zu Heilbronn zählenden Dörfer wurden zu selbstständigen Gemeinden erhoben, die Leibeigenschaft wurde abgeschafft. In der Chronik von 1803 heißt es: „Die vier Dörfer der Stadt genießen nun als Untertanen Seiner Durchlaucht die nämlichen Rechte wie die Einwohner der Stadt: jedes Dorf bildet eine eigene Kommune unter einem Schultheißen“. Die Gemeinde Böckingen gehörte zum Oberamt Heilbronn.

1811 wird die Cucculimur, der letzte Rest der römischen Siedlung im Süden von Böckingen abgebrochen. Grund dafür ist die Chaussierung der Straße nach Brackenheim.

1827 war der Ort noch überwiegend bäuerlich geprägt. Die Siedlungsfläche erstreckte sich im Wesentlichen zwischen der heutigen Stedinger Straße und der Seestraße. Die Hauptanbauprodukte der Böckinger Bauern waren Dinkel, Gerste, Angersen und Kartoffeln. Einen ersten Strukturwandel brachte die einsetzende Industrialisierung im nahen Heilbronn, wo die mittelalterlichen Stadtgrenzen durch Baumaßnahmen überwunden wurden und zahlreiche Fabriken entstanden. Der Bauboom in Heilbronn im frühen 19. Jahrhundert schuf insbesondere einen Bedarf an Maurern, Steinhauern und Zimmerleuten, außerdem boten die neu entstandenen Heilbronner Fabriken Arbeit. Darum haben um die Mitte des 19. Jahrhunderts nicht nur viele Böckinger einen Bauhandwerkerberuf erlernt oder sich als Tagelöhner in Heilbronn verdingt, sondern kam es auch zum Zuzug vieler Auswärtiger, die sich in Böckingen niederließen, um in Heilbronn zu arbeiten.

Zwischen 1820 und 1920 wuchs die Bevölkerung auf das Zehnfache an, von 1100 auf 11.300 Einwohner. Auch der Bau der östlich von Böckingen verlaufenden Trasse der Württembergischen Nordbahn von Stuttgart nach Heilbronn in den 1840er Jahren brachte den Zuzug von Arbeitskräften mit sich. Böckingen wandelte sich von einem Bauern- und Weingärtnerdorf zu einer Arbeiterwohngemeinde, die Bebauung des Ortes dehnte sich rasch nach Norden und Süden aus. Die Frankenbacher Straße (heute: Klingenberger Straße) als Nord-Süd-Verbindung wurde dadurch allmählich zur wichtigsten Verkehrsachse des Ortes, später kam die parallel verlaufende Weststraße (heute: Ludwigsburger Straße) hinzu.

Da es nicht gelang, Industrie in Böckingen anzusiedeln, profitierte die Gemeinde nicht vom Wachstum, sondern hatte vielmehr dessen Lasten zu tragen. Schließlich kam es auch zu sozialen Problemen, da die Zahl der größtenteils armen Neubürger bald die der angestammten bäuerlichen Bevölkerung überwog. Die angestammte Bevölkerung stand den Neubürgern eher ablehnend gegenüber. Zur Zeit der gesteigerten Auswanderung nach Amerika in der Mitte des 19. Jahrhunderts waren es dann auch nicht die Ärmsten, die Böckingen verließen, sondern eher Personen der Mittelschicht, die den ihnen fremd gewordenen Heimatort verließen. Die Pfarrberichte der Ortspfarrer, darunter der in den 1850er Jahren in Böckingen wirkende Karl Georg Haldenwang, geben eindrückliche Schilderungen der sozialen Zustände wieder. Am 21. September 1862 ereignete sich zudem ein großer Brand in Böckingen. Bedeutende Zahlen von Arbeitsplätzen boten lediglich nach 1872 die Böckinger Ziegelei auf dem Böckinger Wartberg und ab den 1890er Jahren die Schuchmann’sche Brauerei inmitten des Ortes, das Bahnbetriebswerk und der auf Böckinger Gemarkung liegende Güterbahnhof Heilbronn im Winkel zwischen der Nordbahn und der Kraichgaubahn, an die Böckingen 1878 einen Anschluss erhalten hatte.

1873 wurde ein Ortsbauplan vorgelegt, der ein rasterförmiges, weitgehend rechtwinkliges Straßennetz entlang der Weststraße und Frankenbacher Straße vorsah. Die Ortsbaustatuten von 1881 sahen überwiegend zwei- bis zweieinhalbgeschossige Arbeiterwohnhäuser vor. Diese wurden zumeist durch Bauunternehmer mit Ziegeln der örtlichen Ziegelei errichtet. Am 29. Mai 1896 wurde zur Deckung des Energiebedarfs der Anschluss an das Heilbronner Gaswerk vereinbart. Am 18. Juni 1900 wurde das Wasserwerk in Böckingen eingeweiht.

Das rasche Bevölkerungswachstums forderte auch den Bau mehrerer Schulen. Hatte bis 1878 die Schule im Alten Rathaus genügt, musste darauf die Friedenstraßenschule und wenig später die am 2. Mai 1900 eingeweihte Weststraßenschule erbaut werden. Bereits 1906 war eine Erweiterung der Weststraßenschule fällig und 1912 gar der Bau eines weiteren Schulhauses, der Alleenschule (heutige Grünewaldschule) mit abermals 20 Schulsälen. Die Alleenschule wurde nach der Allee benannt, die von Böckingen aus über den Sonnenbrunnen nach Norden führte (heutige nördliche Ludwigsburger und Grünewaldstraße). Das Schulhaus markierte zur Zeit seiner Entstehung noch den nördlichen Siedlungsrand des Ortes. Ebenfalls am nördlichen Ortsrand wurde 1905 der neue Friedhof angelegt, nachdem sich der Rangierbetrieb auf den Bahnanlagen ungünstig auf die Verhältnisse im mehrfach erweiterten alten Friedhof bei der Pankratiuskirche ausgewirkt hatten.

Wegen der fehlenden Industrieansiedlung fehlte es der Gemeinde an Geld. Der Böckinger Schultheiß Karl Rein bemühte sich schon 1892 um finanzielle Unterstützung durch die Stadt Heilbronn und schlug auch die Eingemeindung Böckingens nach Heilbronn vor, was vorerst jedoch noch nicht spruchreif wurde. Am 6. Juli 1903 wurde das Schultheißenamt, im Zuge eines später als gegenstandslos erwiesenen Ermittlungsverfahrens gegen Rein, dem Amtsverweser Adolf Alter (1876–1933) übertragen, der im Jahr darauf zum Schultheiß gewählt wurde und 1929 die Böckinger Ehrenbürgerwürde bekam. Zu einem von Alters ersten Anliegen geriet die Errichtung einer Apotheke in Böckingen, nachdem zuvor dort noch keine bestanden hatte. Gegen den Widerstand Heilbronner Apotheker forcierte er den Bau der späteren Adler-Apotheke. Für viele der bis 1933 realisierten kommunalen Bauprojekte konnte Adolf Alter dann Zuschüsse von der Stadt Heilbronn und der Kreisregierung erwirken, da die Arbeiterwohngemeinde Böckingen finanziell nicht in der Lage zur Realisierung dieser Projekte gewesen wäre.

Eine Volkszählung vom 1. Dezember 1905 ergab eine Einwohnerzahl von 8658 Einwohnern und zählte demnach zu den Gemeinden der 1. Klasse (4000 bis 10.000 Einwohner). Weiterhin wurde Böckingen als Arbeiterwohngemeinde eingestuft, da mehr als 20 % der Einwohner außerhalb der Gemeinde arbeiteten. Im Rahmen des Finanzausgleichs erhielt eine Arbeiterwohngemeinde auch finanzielle Mittel.

Am Morgen des 1. Dezember 1905 um 8 Uhr wurde der Böckinger Bäckergeselle Mogler im Hof des Heilbronner Landgerichts (heute Deutschhof) mit dem Fallbeil enthauptet. Grund der Hinrichtung war Raubmord. Mogler wurde wegen dreifachen Mordes verurteilt, an dem Bäcker Bühlinger, seiner Frau und dem Kind.

Am 28. Juli 1906 erging eine Gemeindeordnung, wonach eine Neuregelung und Klassifizierung der Gemeinden gemäß der Bevölkerungszahl erfolgte. Die Volkszählung vom 1. Dezember 1910 ergab eine Einwohnerzahl von 10 441 Einwohnern.

1915 gab der Gemeinderat zu Heilbronn bekannt, Böckingen als „seine größte Wohngemeinde“ finanziell zu unterstützen.

Am 19. Oktober 1901 wurde die Haltestelle Böckingen eröffnet. Die Gemeinde Böckingen hatte dafür einen Betrag in Höhe von 13 000 Mark gestiftet.

Am 15. Oktober 1903 wurde eine Automobilverkehrsgesellschaft zum Betrieb einer Linie von Böckingen nach Heilbronn gegründet, die am 27. August 1905 auf dem Heilbronner Marktplatz feierlich die Automobilverbindung Heilbronn-Böckingen mit dem Böckinger Omnibus eröffnete. Der Böckinger Omnibus sollte im Liniendienst zwischen Böckingen und Heilbronn verkehren und verfügte über 16 Sitze. Der Omnibus war ein Exemplar aus Berlin und im Eigentum der Neuen Automobilgesellschaft Berlin, die diese Strecke auch befuhr. Anfang 1906 wurde der Betrieb jedoch eingestellt. 1909 wurde erneut die Omnibusverbindung aufgenommen, wobei der Omnibus diesmal über 24 Sitze verfügte. Der Betrieb wurde abermals nach einem Vierteljahr eingestellt.

1910 wurde in Böckingen die Gleislose Bahn Heilbronn–Böckingen GmbH gegründet, die am 11. Januar 1911 zwischen der Heilbronner Neckarbrücke und Böckingen den Betrieb einer Oberleitungsbus-Linie gemäß dem System Mercédès-Électrique-Stoll aufnahm. Die Heilbronner Straßenbahn AG erhielt dann die kaufmännische Leitung und Betriebsführung des Böckinger Oberleitungsbusses. Der Betrieb auf der Strecke Neckarbrücke-Bahnhof-Großgartacher Straße-Böckingen endete am 31. Oktober 1916, da die Verbindung bei den Fahrgästen nicht angenommen wurde. Viele beklagten sich über die tiefen Schlaglöcher. Eine Straßenbahnlinie von Heilbronn nach Böckingen wurde erst 1926 eingerichtet.

Am 4. Dezember 1919 wurde die Pfarrdorfgemeinde Böckingen von der Kreisregierung zur Stadt erhoben. Grundlage war eine Volkszählung vom 8. Oktober 1919, die eine Einwohnerzahl von 11.044 ergab. Die neue Stadtgemeinde ohne jegliche eigene Industrie litt jedoch weiter an ungenügender Gewerbesteuerkraft und an mangelhafter finanzieller Ausstattung von Seiten des Landes.

Die Stadt Böckingen plante deswegen, ein Industrieanschlussgleis zu bauen, und gab ihre Pläne der Reichsbahndirektion Stuttgart zur Genehmigung vor. In einem solchen Eisenbahnanschluss sah man „die Voraussetzung für die Ansiedlung von großen und leistungsfähigen Industrieunternehmen“, da „die Ansiedlung einer solchen steuerkräftigen Industrie eine Lebensfrage für die hiesige Stadtgemeinde bedeutet“. Eine Planung sah ein Industrieanschlussgleis vor, das von der Hochflutbrücke aus nach Westen in Richtung der heutigen Neckartalstraße hätte gebaut werden sollen. Eine zweite Planung betraf ein Industrieanschlussgleis für das Industriegelände im Unteren Feld. Die Bahngleise sollten durch das Industriegleis beim Sonnenbrunnenübergang und bei der heutigen Heidelberger Straße unterquert und die Landwehrstraße überquert werden. Das Böckinger Industriegleis sollte in das Gleis der heutigen Neckargartacher Straße einmünden. Im Januar des Jahres 1925 wurde das Gesuch der Stadt Böckingen von Seiten der Bahn abgelehnt. Die Bahn selbst schlug als Industriegleis eine Abzweigung der Bahnstrecke Heilbronn-Eppingen vor. Die Kosten sollten dabei 100.000 RM betragen. Der Böckinger Gemeinderat gab daraufhin am 23. Juli 1925 beim Vermessungsamt entsprechende Pläne in Auftrag. Im Februar des Jahres 1925 entschied die Stadt Böckingen, sich zur Finanzierung des Industriegleises an einer Auslandsanleihe des württembergischen Städtetags in Höhe von 327.600 RM zu beteiligen, wobei die Anleihe am 1. November 1944 fällig sein sollte. Am 15. Dezember 1925 wurde jedoch bei der Böckinger Gemeinderatssitzung bemerkt, „daß die Ausführung des Industriegleisanlage im […] Zeitpunkt des allgemeinen wirtschaftlichen Tiefstands nicht empfehlenswert sei und […] eine entsprechende Rente aus dieser Anlage […] nicht erwartet werden könne“. Aus diesem Grund wurde das Industrieanschlussgleis letztlich nicht gebaut. Mit den 327.600 RM finanzierte Böckingen 1926 den Anschluss an die Straßenbahn Heilbronn. 1925/26 erfolgte außerdem der Umbau der Friedenstraßenschule zum neuen Rathaus, das das alte Rathaus an der Rathausgasse (heute: Rathausstraße) ersetzte.

1926 arbeiteten 2800 Böckinger in Heilbronn mcm taschen sale. Die Stadtgemeinde Böckingen musste für die Einwohner Wohnungen im Ort bauen, die Wasserversorgung sicherstellen, Gas und Elektrizität zur Verfügung zu stellen, neue Straßen bauen und den Schulbau vorantreiben. Wegen des Mangels an finanziellen Mitteln erbat der Böckinger Schultheiß Adolf Alter am 5. Februar 1927 in einem Antrag beim Land einen außerordentlichen finanziellen Zuschuss in Höhe von 300.000 Mark, der den Haushalt 1926 ausgleichen sollte. Dieser Antrag wurde am 12. Februar 1927 mit 33 zu 29 Stimmen bei vier Enthaltungen abgelehnt.

Schultheiß Alter forderte bereits Mitte der 1920er Jahre aufgrund der schlechten Finanzlage erfolglos die Eingemeindung nach Heilbronn. Er resümierte: „Unsere arme Stadt Böckingen, Wohngemeinde der reichen Industriestadt Heilbronn, wird von ihr wie eine Feindin, wie eine Aussätzige behandelt.“

Die Arbeitslosenzahl der Stadt Böckingen stieg von 769 im Jahr 1926 auf mehr als 1000 Arbeitslose im Jahr 1930, als die Baugesellschaft Heilbronn AG ihre Ziegelwerke in Neckargartach und in Böckingen schloss.

Am 29. März 1930 erging eine Gemeindeordnung, die Zwangseingemeindungen ermöglichte, sofern ein öffentliches Bedürfnis dafür gegeben war. Der Böckinger Gemeinderat stellte daraufhin beim Land Württemberg einen Antrag auf Zwangseingemeindung, die Staatspräsident Dr. Eugen Bolz bei der Plenarsitzung des Landtages vom 16. März 1932 befürwortete, weil Böckingen aufgrund der wenigen Steuereinkünfte nicht die Aufgaben einer mittleren Stadt wahrnehmen könne. Die Stadt Heilbronn forderte jedoch von der Staatsregierung, keine direkte Eingemeindung zu veranlassen.

Am 22. März (nach einer anderen Quelle am 22. Mai) 1932 erging ein Landesgesetz zur Haushaltssicherung der Stadtgemeinde Böckingen. Demnach konnten die Entscheidungen des Böckinger Gemeinderats durch einen Beauftragten der Gemeinden Heilbronns und Sontheims überwacht und durch dessen Einspruch auch blockiert werden. Der Beauftragte hatte eine Weisungsbefugnis für jegliche Art von Beschlüssen des Böckinger Gemeinderats. Der Bericht des beauftragten Stadtamtsmann Kübler von 1933 berichtet, dass am 8. Juli 1932 kein Haushaltsbeschluss im Böckinger Gemeinderat erzielt werden konnte, weil die von Kübler geforderte hundertprozentige Erhöhung der Bürgersteuer vom Böckinger Gemeinderat einstimmig abgelehnt worden war. Kübler setzte im August 1932 durch, dass in Böckingen die Unterstützungsrichtsätze heruntergesetzt wurden, womit er einer Heilbronner Entscheidung folgte und diese analog in Böckingen durchführte. Er widersprach auch der Einführung von Fürsorgesätzen sowie der Bedarfssätze für Arbeitslosen- und Krisenunterstützungsempfänger, wie sie in der Stadtgemeinde Heilbronn bestanden.

Am 1. Dezember 1932 wartete eine große Menge von Arbeitslosen vor dem Böckinger Rathaus, die an der Gemeinderatssitzung teilnehmen wollten. Sie ließen bekannt geben, dass der Beauftragte das Böckinger Rathaus zu verlassen habe, ansonsten könne der gesamte Böckinger Gemeinderat gehen.

Stadtschultheiß Adolf Alter verstarb am 6. Januar 1933. Sein Amt wurde nicht mehr besetzt. Am 23. April 1933 wurde Heinrich Gültig zum Staatskommissar für die Stadtgemeinden Böckingen und Heilbronn ernannt. Der neue Staatskommissar erklärte: „während der Dauer dieser Regelung, in der die Befugnisse des Gemeinderats Heilbronn wie die des Gemeinderats Böckingen in meiner Hand vereinigt sind, bin ich also befugt, die Vereinigung der beiden Stadtgemeinden durch eine mir zustehende Willenskundgebung zu vollziehen“.

Am 19. Mai 1933 erging eine Verfügung des Staatskommissars „über die Vereinigung der Stadtgemeinde Böckingen mit der Stadtgemeinde Heilbronn“, welche am 27. Mai 1933 von Seiten der Aufsichtsbehörde genehmigt wurde. Ein Festakt fand am 31. Mai 1933 statt, die Eingemeindung wurde im Regierungsblatt für Württemberg Nr. 28 am 1. Juni 1933 verkündet.

Die durch den Ersten Weltkrieg unterbrochene weitere bauliche Expansion des Ortes war noch durch den Böckinger Stadtrat in den 1920er Jahren mit der Planung von Baugebieten in den Gewannen Haselter, Schollenhalde und Steinäcker vor allem nach Norden fortgeführt worden. Ab 1935 wurde die Ernst-Weinstein-Siedlung (Namensgeber war ein Stuttgarter SA-Mann, der von den NS-Herrschern zum Märtyrer stilisiert wurde) errichtet. Die heute nach dem Gewann Kreuzgrund genannte Siedlung war mit ihren großzügig bemessenen Parzellen und den Häusern des Typs „Volkswohnhaus Ensle“ für Selbstversorger gedacht.

Im Novemberpogrom 1938 um 1.25 Uhr und um 1.40 Uhr verwüsteten Nazis das Haus des jüdischen Armenarztes Ludwig Essinger mit Granitpflastersteinen. Es wurde dabei auch geschossen. Weiterhin verwüsteten Nazis das evangelische Stadtpfarrhaus und danach das evangelische Vereinshaus. Später waren die Häuser ehemaliger KPD-Mitglieder das Ziel der Nazis, wie das Haus von Hermann Weidner um 2.45 Uhr, August Reinhardt um 2.50 Uhr und das Haus des ehemaligen KPD-Gemeinderats Wilhelm Kärcher.

Stadtpfarrer Schreiber protestierte bei verschiedenen Instanzen gegen den „Terrorakt“ auf das Pfarrhaus und das CVJM-Gebäude. Der Protest blieb folgenlos. Im Januar 1941 teilte der württembergische Innenminister dem Oberkirchenrat mit, dass die Fahndung nach den Tätern ergebnislos verlaufen sei. Pfarrer Schreiber wurde im Spätjahr 1941 nach weiteren regimekritischen Äußerungen nach Talheim bei Mössingen und später nach Asperg versetzt.

Bei mehreren Luftangriffen auf Heilbronn und Böckingen wurde der Ort schwer beschädigt und insgesamt 339 Böckinger kamen ums Leben.

Bei dem ersten Luftangriff am Sonntag, den 10. September 1944, wurde insbesondere der alte Ortskern zerstört, wobei in fünf Straßen über 40 % der Toten zu verzeichnen waren. So starben die meisten Böckinger in der Stedinger Straße mit 51 Personen, in der Friedenstraße mit 34 Personen, in der Ludwigsburger Straße mit 24 Personen, in der Klingenberger Straße mit 24 Personen und in der Seestraße mit 16 Personen. Der Kirchengemeinderat bewilligte in der gleichen Woche noch 10.000 RM für die Opfer, wobei 1000 RM aus der Kinderkirchkasse stammten. Am Donnerstag, den 14. September 1944, wurden 281 Böckinger Bürger auf dem Friedhof in der Heidelberger Straße im Rahmen einer Parteibeerdigung beerdigt, bei der die Kreisleitung anwesend war. Am Sonntag, den 17. September 1944 sollte um 15 Uhr am Nachmittag eine kirchliche Bestattung auf dem Friedhof erfolgen. Am Samstag dem 16. September 1944 wurde von Seiten des Oberbürgermeisters Gültig nur die Zeit zwischen 8 und 12 Uhr für die Trauerfeier freigegeben. Aufgrund der Gottesdienste sonntags blieb für die Trauernden nur die Zeit um 11 Uhr für eine mögliche kirchliche Bestattung auf dem Friedhof, wobei diese Uhrzeit aufgrund der täglichen Luftangriffe von den Böckingern als die gefährlichste erachtet wurde. Daher fand eine kirchliche Bestattung nicht statt.

Bei dem Luftangriff am 4. Dezember 1944 wurde vor allem die Augustenstraße in Böckingen zerstört. Der letzte Luftangriff auf Böckingen erfolgte am 20. Januar 1945.

Außer den 339 Toten der Luftangriffe kamen 621 Böckinger Soldaten an der Front um, und 173 Böckinger wurden vermisst. Demnach belief sich die Zahl der Opfer des Zweiten Weltkriegs in Böckingen insgesamt auf 1137 Personen.

Am 2/3. April 1945 war die 100. Infanterie-Division unter General Wilhers A. Burress in der Hohl, um zum Ort Böckingen zu gelangen, als der ehemalige KPD-Gemeinderat Wilhelm Kärcher diesen mit einem weißen Tuch entgegenkam. Nachdem Kärcher den Truppen erklärt hatte, dass Böckingen sich ergebe und es in Böckingen keine deutschen Soldaten mehr gebe, rückten die Amerikaner über die Heckenstraße in den Ort ein, ohne dass es weitere Opfer gab. Bevor die Truppen jedoch Böckingen erreichten, wurden die Konzentrationslager aufgelöst und die KZ-Häftlinge gingen durch Böckingen zum Unionsplatz.

Nach Kriegsende entstanden im Mai 1945 auf Böckinger Gemarkung zwei amerikanische Kriegsgefangenenlager, von denen eines schon Ende Juli wieder geschlossen wurde, während das Lager PWTE-C-3 auf der Trappenhöhe (dem späteren Wohngebiet Schanz) eines der größten amerikanischen Durchgangslager in Südwestdeutschland war und bis 1947 von bis zu zwei Millionen Gefangenen durchlaufen wurde. Die letzten Reste des Lagers wurden erst 1961 im Vorfeld der Bebauung des Areals beseitigt.

Der Sozialdemokrat, Oberrechnungsrat und Stadtrat Hermann Waiblinger wurde nach Kriegsende als Bürgermeister Böckingens eingesetzt. Gemeinsam mit dem ehemaligen KPD-Gemeinderat Wilhelm Kärcher leitete er den Wiederaufbau Böckingens. Im Rahmen der Entnazifizierung verurteilte die Spruchkammer des Interniertenlagers Ludwigsburg am 26. Mai 1948 den ehemaligen Ortsgruppenleiter und Fabrikanten Wilhelm Wolf zu vier Jahren Arbeitslager.

Der Zweite Weltkrieg hat mehrere Projekte, die im Zusammenhang mit der Eingemeindung Böckingens nach Heilbronn angedacht waren, erheblich verzögert. Dazu zählt vor allem die Anlage weiterer Siedlungsflächen, so dass man sich in der Nachkriegszeit nicht nur auf den Wiederaufbau der stark kriegszerstörten Ortsmitte, sondern auch auf die Anlage von Neubaugebieten im Norden des Stadtteils konzentrierte. Nur sehr wenige Gebäude in der Ortsmitte konnten nach Kriegsende repariert werden, so dass das Ortsbild von schlichten Gebäuden aus der Zeit um 1950 geprägt wurde. 1951 wurde die Straßenbahn nach Böckingen durch den bis 1960 verkehrenden Oberleitungsbus Heilbronn ersetzt.

Um 1970 entstanden die Wohngebiete Schanz-Süd und Schanz-Nord im Nordwesten Böckingens, die für 5.000 bis 6.000 Einwohner geplant wurden. Um jene Zeit entwickelte sich der Böckinger Norden außerdem zur bevorzugten Lage für Gewerbeansiedlungen. Die Gewerbegebiete Böckingen-Nord und Böckingen West entstanden im Nordosten Böckingens längs der Neckargartacher Straße bzw. am Neckarkanal, im Nordwesten außerhalb an der B 293 nach Leingarten.

Die Stadt Heilbronn hatte sich in der Eingemeindungsvereinbarung von 1933 auch zum Bau einer ausreichenden und zeitgemäßen Turnhalle verpflichtet. Nach dem Modell des Bürgerzentrumsbauprogramms des Landes Hessen entstand daher von 1973 bis 1975 nach vorausgegangenem Architektenwettbewerb auf dem früheren Gelände der Schuchmann‘schen Brauerei das Bürgerhaus Böckingen als Mehrzweckhalle mit Bühne, Jugendräumen und Gastronomie, während der Sporthallenbedarf der örtlichen Vereine durch die in etwa gleichzeitig erbauten Großsporthallen beim Schulzentrum am Kraichgauplatz und bei der Heinrich-von-Kleist-Realschule gedeckt wurde. Dem Neubau der Neckartalstraße, die eine bedeutende Verkehrsberuhigung für den Ortskern brachte, schloss sich im Verlauf der 1970er ein Neuordnungskonzept für den alten Ortskern an, das diesen als verkehrsberuhigte Zone ausbildete.

Die vormals unbebauten Flächen östlich des Böckinger Wasserturms wurden mit einem Wohngebiet überbaut, während das sich westlich des Wasserturms erstreckende frühere Ziegeleigelände bis 1995 zum Ziegeleipark umgestaltet wurde.

Böckingen ist geschichtlich protestantisch geprägt, da der Ort 1530 von Heilbronn ausgehend reformiert wurde. Die evangelische Pankratiuskirche geht auf die ursprüngliche Kirche des Ortes zurück und wurde im Jahr 1900 im Wesentlichen zu ihrer heutigen Gestalt umgebaut. Die Auferstehungskirche, die erste Kirche der evangelischen Kirchengemeinde der Nachkriegszeit, wurde nach Plänen des Böckinger Architekten Gerhard Bauer errichtet und am 3. Mai 1959 eingeweiht. Die Böckinger Versöhnungskirche wurde als die neueste Kirche der evangelischen Kirchengemeinde im Jahr 1996 fertiggestellt.

Im Jahre 1900 gab es bei einer Einwohnerzahl von 8 000 Bürgern in Böckingen 600 Bürger katholischen Glaubens, die zur katholischen Kirchengemeinde Peter und Paul zu Heilbronn gehörten. Am 31. Dezember 1901 wurde Böckingen eigenständige Kirchengemeinde mit den Filialen Frankenbach, Klingenberg, Nordheim und Nordhausen. Die Kilianskirche der katholischen Kirchengemeinde wurde 1902 fertiggestellt und nach dem Heiligen Kilian benannt. Eine Marienkirche, die erste Filialkirche der katholischen Kirchengemeinde wurde nach Plänen des Böckinger Architekten Gerhard Bauer errichtet und am 15. August 1953 in Nordheim eingeweiht. Die Heilig-Kreuz-Kirche im Kreuzgrund, die zweite katholische Kirche in Böckingen, wurde nach Plänen des Regierungsbaumeisters Dr. Rudolf Gabel durch die Firma Ensle errichtet und am 18. Juli 1954 eingeweiht. Am 22. Dezember 1974 wurde die Frankenbacher Johanneskirche als eine weitere Filialkirche eingeweiht. Am 1. November 1980 wurde die Kirchengemeinde geteilt. St Kilian umfasst den Böckingerteil südlich der Bahnlinie Heilbronn-Karlsruhe mit Klingenberg, Nordheim und Nordhausen. Der nördlich Teil mit Frankenbach gehört zur neugegründeten Kirchengemeinde Heilig Kreuz. Die Heilig-Kreuz-Kirche wurde später nach Plänen des Stuttgarter Architektenbüros Perlia, Schliebitz und Schwarz durch einen am 8. Dezember 1991 eingeweihten Neubau ersetzt.

Eine jüdische Gemeinde gab es in Böckingen nicht, es haben dort lediglich vereinzelt Juden gewohnt, die zur Jüdischen Gemeinde Heilbronn zählten. Die Gemeindeliste von 1937 listet zwei Personen jüdischen Glaubens in Böckingen, darunter den Arzt Dr. Ludwig Essinger, der im Israelitischen Asyl Sontheim wirkte.

Seit 1898 gab es eine Methodistenkapelle in Böckingen. Nach deren Zerstörung 1944 wurde die evangelisch-methodistische Christuskirche am 4. Dezember 1949 eingeweiht.

Durch den Zuzug zahlreicher Personen aus islamisch geprägten Ländern in den letzten Jahrzehnten gibt es inzwischen auch einen bedeutenden Anteil von Muslimen unter den Einwohnern.

Das Wappen von Böckingen zeigt in Gold einen schwarzen Steinbock, das vom örtlichen Stadtadel stammen könnte. Dabei gab es in Böckingen zwei adlige Familien.

Ein Böckinger Stadtadel wird erstmals in einer Schönthaler Urkunde aus dem Jahr 1279 erwähnt, dabei wird der Name Conradus advocatus de Beckingen erwähnt. 1454 wird ein Junker Konrad von Böckingen zu Heilbronn erwähnt, dessen Sohn Eberhard dann Heilbronner Ratsmitglied wurde. Das Wappen dieses Adels zeigt ähnlich dem Wappen der Grafen zu Neipperg, drei schwarze Ringe im goldenen Schild. Nach der Oberamtsbeschreibung gab es noch einen zweiten Böckinger Stadtadel, der im Wappen einen Bock führte. Benz von Böckingen, Ehemann von Sifride von Lauffen, führte im Wappen einen Bock, besaß 1324 einen Hof in Heilbronn und wurde 1350 dort Bürger. Gestorben ist dieser Benz von Böckingen am 24. Februar 1376. Seine Nachkommen Volmar und Hartmud die Böckinger sind dann auch Bürger zu Heilbronn. Bis zum Hochmittelalter erlangte das Geschlecht derer von Böckingen sogar eine gewisse überregionale Bedeutung. Ein Bechtolf von Böckingen war im 14. Jahrhundert Burggraf in Alzey. Ein Siegel aus dem 18. Jahrhundert mit der Inschrift Insigel des Dorfes Böckingen zeigt den aufrechtstehen Steinbock. Auch der Dienststempel des Stadtschultheißen Böckingens zeigt diesen Bock.

Mit den Haltestellen Sonnenbrunnen, Berufsschulzentrum und Böckingen West verfügt Böckingen über drei Haltepunkte der Kraichgaubahn. Bis 1971 gab es hier auch einen Haltepunkt der Frankenbahn. Das Eisenbahnbetriebswerk wurde im Jahr 1997 geschlossen. Hier ist heute das Süddeutsche Eisenbahnmuseum Heilbronn beheimatet. Über den Rangierbahnhof Heilbronn wird nach Teilstilllegung nurmehr der örtliche Schienengüterverkehr der Region Heilbronn abgewickelt.

Durch Böckingen führt die B 293. Seit 1965 wird eine Verlängerung der an der Kreuzgrundsiedlung vorbeiführenden Saarlandstraße diskutiert, die zwischen Böckingen und Frankenbach den Anschluss an die B 293 schaffen und so die Ortskerne von Böckingen und Frankenbach vom Durchgangsverkehr entlasten soll. Gegen den ab 2007 geplanten Ausbau haben sich mehrere Bürgerinitiativen gebildet, die durch den Ausbau und durch den seit der Einführung der Lkw-Maut deutlich angestiegenen Schwerlastverkehr auf der B 293 (Großgartacher Straße) eine Verschlechterung der Lebensqualität befürchten.

Der Böckinger Wasserturm wurde 1929 erbaut und ist das Wahrzeichen des Ortes. Westlich davon erstreckt sich der 1995 eröffnete Ziegeleipark, das 148.000 m² große ehemalige Gelände der Ziegelei Böckingen.

Das Bürgerhaus Böckingen wurde als Bürgerzentrum auf dem Gelände der ehemaligen Schuchmann’schen Brauerei südwestlich der Pankratiuskirche nach Plänen der Architektengruppe Braun-Keppler-Stieglitz erbaut und am 4. April 1975 eingeweiht. Der Utzname „Seeräuber“ wird mit dem Seeräuberbrunnen von Dieter Läpple vor dem Bürgerhaus thematisiert. Das Bürgerhaus wurde als neue Ortsmitte konzipiert, nachdem die alte Böckinger Ortsmitte im Zweiten Weltkrieg unterging und der während des Wiederaufbaus geschaffene Dorfplatz (mit Gedenkstein für die Opfer des Luftangriffs vom 10. September 1944 von 2004) nie einen funktionellen Zweck erfüllte.

Die Friedenstraßenschule wurde 1878 errichtet und 1925/26 zum Rathaus umgebaut. Das Gebäude wurde nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs in vereinfachter Form wieder aufgebaut. Frühere Rathäuser in Böckingen befanden sich an anderer Stelle. Gegenüber dem Gebäude befindet sich die Schwarze-Hofmännin-Skulptur von Dieter Klumpp von 1986.

Das Böckinger Kastell ist ein größtenteils überbautes Bodendenkmal, von dem lediglich ein restauriertes Nordtor zu sehen ist.

Seeräuberbrunnen vor dem Bürgerhaus

Friedenstraßenschule

Schwarze Hofmännnin

In Böckingen gibt es mehrere Kirchen. Die evangelische Pankratiuskirche beim alten Friedhof ist die einzig erhalten gebliebene historische Pfarrkirche des Ortes. Im 13. Jahrhundert wird neben der Pankratiuskirche auch die Kapelle St. Nikolaus und die Kapelle zu unserer lieben Frau Bekümmernis genannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg sind weitere evangelische Kirchen entstanden: die Auferstehungskirche (1959) am Sonnenberg und die Versöhnungskirche (1996) im Kreuzgrund.

Die erste Kirche der Böckinger Katholiken war die Kilianskirche (1902), außerdem gibt es die katholische Pfarrkirche Heilig Kreuz (1991) im Kreuzgrund. An der Ludwigsburger Straße befindet sich die evangelisch-methodistische Christuskirche (1949) und auf dem Friedhof an der Heidelberger Straße die Böckinger Friedhofskapelle (1905).

Das Evangelische Pfarrhaus bei der Pankratiuskirche und das Katholische Pfarrhaus bei der Kilianskirche stehen unter Denkmalschutz.

Kath. Kilianskirche

Friedhofskapelle

Kath. Pfarrkirche Hl. Kreuz

Aufgrund der starken Kriegszerstörungen verfügt die Ortsmitte, außer den wiederhergestellten Kirche, über nur wenige weitere historische Bauwerke, wie die am 12. Januar 1906 eröffnete Adler-Apotheke in der Schuchmannstraße und das Gasthaus Lamm in der Stedinger Straße. Historische Schulhäuser in Böckingen sind die der Grundschule Alt-Böckingen und der Grünewaldschule, die beide im Zuge des starken Wachstums des Ortes um 1900 errichtet wurden.

Der 1904 an der Großgartacher Straße eingeweihte evangelische Kindergarten, die Eisenbahnkinderschule, wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, dagegen besteht weiterhin der am 17. November 1907 eingeweihte evangelische Kindergarten an der Weststraße 6 (heute Ludwigsburger Straße 93).

Die ehemaligen Anlagen des Böckinger Bahnhofs und des Bahnbetriebswerks (Süddeutsches Eisenbahnmuseum Heilbronn) können besichtigt werden.

Gasthaus Lamm

Grundschule Alt-Böckingen

Ehemaliges Bahnbetriebswerk

Fachwerkbauten haben sich in Böckingen nur vereinzelt erhalten, darunter das Gehöft an der Seestraße 27 im Kern aus dem 16. Jahrhundert, das Gebäude Seestraße 35, das große Haus mit Tordurchfahrt in der Rathausstr. 8 um 1800 sowie das erst nach 1900 erbaute Handwerkerhaus in der Heuchelbergstr. 4.

Seestr. 35

Rathausstr. 8

Heuchelbergstr. 4

Zahlreiche historische Gebäude in Böckingen sind als Ziegelbauten mit dekorativem Sichtmauerwerk aus Ziegeln der ehemaligen Böckinger Ziegelei ausgeführt. Dazu zählen die Gebäude Eppinger Str. 47,49, Eppinger Str. 51, Eppinger Str. 64, Eppinger Str. 66, Eppinger Str. 68, Eppinger Str. 72, Friedrichstr. 30, Großgartacher Str. 21, Großgartacher Str. 23, Großgartacher Str. 82, Heckenstr. 27, Klingenberger Str. 105, Klingenberger Str. 139, Klingenberger Str. 153,155, Bahnbetriebswagenwerk 1 und Querstr. 9.

Denkmalgeschützte Villen in Böckingen sind die Villa Maas, die Villa Scheuerle und die Villa Heuchelbergstr. 89.

Klingenberger Str. 105

Großgartacher Str. 82

Villa Maas

Böckingen verfügt über mehrere Schulen. Die Grünewaldschule und die Grundschule Alt-Böckingen sind reine Grundschulen, die Elly-Heuss-Knapp-Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule und die Fritz-Ulrich-Schule sind kombinierte Grund- und Hauptschulen mit Werkrealschule, eine baden-württembergischen Besonderheit, die die Erlangung der Mittleren Reife ermöglicht

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. Weiterführende Schulen sind außerdem die Heinrich-von-Kleist-Realschule und das allgemeinbildende Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium Heilbronn. Der Schultyp der Sonderschule ist mit der Förderschule Neckartalschule vertreten, der der Berufsschule mit der Christiane-Herzog-Schule (Haus- und Landwirtschaftliche Kreisberufs- und Berufsfachschule) und der Andreas-Schneider-Schule (Kaufmännische Schule des Landkreises Heilbronn). In der Vergangenheit existierten darüber hinaus weitere Schulen insbesondere für Mädchen und junge Frauen, so die Friedenstraßenschule, die auch die Mädchenschule bzw. das Mädchenschulhaus genannt wurde, und die Haushalts- und Frauenarbeitsschule.

Biberach | Böckingen | Frankenbach | Horkheim | Kirchhausen | Klingenberg | Neckargartach | Sontheim

Max Wingen

Max Wingen (* 13. März 1930 in Bonn; † 28. Januar 2005 ebenda) war ein deutscher Ministerialbeamter im Bundesfamilienministerium und Leiter des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg. Einen Namen machte er sich als Familien- und Bevölkerungswissenschaftler. In zahlreichen Büchern und Veröffentlichungen widmete sich Wingen familienpolitischen Themen.

Wingen studierte Volkswirtschaft in Bonn und ergänzte dieses Studium um die Fächer Sozialpolitik und Soziologie. Einen Einstieg ins Berufsleben fand er bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). 1956 promovierte er zum Dr.rer.pol. Als Mitverfasser eines Kommentars zur Kindergeldgesetzgebung wechselte er 1959 in das Bundesfamilienministerium. In seiner dann folgenden Laufbahn in der Ministerialverwaltung legte er seinen Schwerpunkt auf Familienfragen und Familienpolitik. 1979 übernahm der die Leitung des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg, wo er eine Familienwissenschaftliche Forschungsstelle aufbaute, die Demographie und Bevölkerungsfragen miteinander verband. 1992 kehrte er für seine letzten Berufsjahre als Ministerialdirektor an das Bundesministerium für Familie und Senioren zurück.

Zunächst an der Universität Bochum (1973 ff.), später an der Universität Konstanz (1981 ff.) wirkte er als Honorarprofessor mit dem Schwerpunkt Bevölkerungswissenschaften.

Ein wichtiges Anliegen war ihm zeitlebens die Botschaft, dass sich ein auf dem so genannten Generationenvertrag beruhendes Sozialversicherungssystem nur dann als dauerhaft tragfähig erweist, wenn den Empfängern von Leistungen auch genügend Einzahler gegenüberstehen.

In einem katholisch geprägten Elternhaus im Bonner Stadtteil Beuel aufgewachsen, prägte der christliche Glaube sein Berufs- und Privatleben nachhaltig. Insbesondere der katholischen Soziallehre fühlte sich Wingen zeitlebens verpflichtet mcm taschen sale. Er engagierte sich in zahlreichen Verbänden und Vereinigungen wie dem Bund Neudeutschland und dem Familienbund Deutscher Katholiken. Seine Mitgliedschaft in der CDU verband Wingen mit einer Mitgliedschaft in der CDA

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, den Sozialausschüssen als dem Arbeitnehmerflügel innerhalb dieser Partei.

Die Teilnahme am Zweiten Weltkrieg blieb ihm als Angehörigem eines „weißen Jahrgangs“ erspart: Um als Soldat im Zweiten Weltkrieg eingezogen zu werden, war er zu jung, nach Ende des Krieges für die Wehrpflicht der jungen Bundesrepublik zu alt.

Für sein gesellschaftliches Wirken ist Wingen 1990 mit dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse und 1999 mit dem Großen Bundesverdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden.

1988 hatte er die Dr. Wilhelm Siekmann Medaille des Deutschen Familienverbandes erhalten; der Familienbund der Deutschen Katholiken und die Gesellschaft für sozialen Fortschritt ernannten ihn zum Ehrenmitglied.

Wingen veröffentlichte rund 180 Bücher, Zeitschriftenaufsätze etc., darunter folgende Publikationen:

Seinem Lebenswerk widmen sich gesellschaftspolitische Weggefährten in der Festschrift:  

Mit dem ebenfalls in der Wikipedia aufgeführten Bevölkerungstheoretiker Oskar Wingen ist Max Wingen nicht verwandt oder bekannt gewesen.